Gasspeicherungsstrategie der Regierung könnte teuer enden
Die deutschen Gasspeicher waren nach dem Winter ungewöhnlich leer. Während die Bundesregierung gelassen auf den nächsten Winter blickt und bei der Befüllung der Speicher rein auf Marktmechanismen vertraut, warnen Fachleute vor potenziellen Engpässen und deutlichen Preissprüngen, sollte ein kalter Winter drohen.

Gasspeicher spielen eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit und Preisstabilität. In Deutschland waren sie nach dem letzten Winter ungewöhnlich leer: Mit Füllstanden von unter 30% waren sie deutlich niedriger als in den Vorjahren, obwohl der Winter relativ mild verlief. Besonders kritisch war und ist die Lage im größten deutschen Gasspeicher in Rehden, der phasenweise zu weniger als 2% gefüllt war und aktuell nur rund 20% erreicht. Damit wächst der Druck, die Speicher rechtzeitig bis zur Heizsaison 2025/26 aufzufüllen, um die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestfüllstände von 45% bzw. 80% bis Anfang November zu erreichen.
Die Bundesregierung sieht jedoch keinen akuten Handlungsbedarf. Sie verweist auf ausreichend andere Speicher in der Region, die sich rasch befüllen lassen, auf angemessene Füllstände in den anderen Anlagen sowie auf die hohe Liquidität durch die LNG-Importterminals. Zudem vertraut sie auf marktwirtschaftliche Mechanismen wie den Sommer-Winter-Spread, der normalerweise Anreize zur Einspeicherung bietet. Doch genau dieser Spread ist aktuell negativ, sodass sich das Einspeichern im Sommer wirtschaftlich kaum lohnt. Fachleute und Speicherbetreiber kritisieren daher, dass ein rechtzeitiges Erreichen der Zielfüllstände technisch kaum noch machbar ist.
Erschwerend kommt hinzu, dass die LNG-Terminals zwar den Markt stabilisieren, im Winter jedoch nur etwa 15% des täglichen Gasbedarfs decken können. Zudem sind die Gasreserven unausgewogen verteilt. Insgesamt ist die Dichte im Norden Deutschlands höher als im Süden, was das Risiko regionaler Engpässe erhöht.
Um mit der herausfordernden Situation umzugehen, gibt es verschiedene Optionen. So könnte die Regierung weiterhin passiv bleiben, was im Falle eines milden Winters funktionieren, bei kälterer Witterung jedoch zu akuten Engpässen und Preissprüngen führen könnte. Eine Alternative wäre, dass die Unternehmen proaktiv Gas einspeichern. Dies würde zwar schon im Herbst zu moderaten Preissteigerungen führen, könnte dafür aber eine stabilere Versorgung im Winter garantieren. Eine weitere Möglichkeit wären staatliche Eingriffe in Form von präventiven Gaszukäufen im Herbst. Dieses Vorgehen ist jedoch unwahrscheinlich, da es nicht nur mit hohen Kosten verbunden wäre, sondern auch ein Eingeständnis der fehlerhaften Planung darstellen würde.
Fazit – Vorsicht ist besser als Nachsicht
Das derzeitige Zögern der Regierung kann zwar funktionieren, ist aber mit erheblichen Risiken verbunden, insbesondere für die Industrie. Ein koordiniertes Vorgehen von Staat und Privatakteuren mit Anreizmechanismen, die das Einspeichern wirtschaftlich attraktiver machen, könnte helfen, die Risiken zu minimieren, ohne dass die Regierung ihre Planungsfehler eingestehen muss.
-- Linda Yu