Der leise Untergang einer Ära – Netflix & Co. erobern weiter die Bildschirme
Die monatlichen Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen zum digitalen Mediennutzungsverhalten der US-Bevölkerung zeigen, dass immer mehr Serien, Filme und mittlerweile auch Sportübertragungen auf Streaming-Plattformen anstatt über das traditionelle (lineare) Fernsehen angeschaut werden.

Der Anteil der Medieninhalte, die über Streamingportale konsumiert wird, wuchs im Juli-Jahresvergleich von 41,4% auf 47,3% und erreichte damit einen Rekordwert. Seit erstmaliger Datenerhebung im Mai 2021 hat sich der Streaminganteil um 21,3 Prozentpunkte erhöht. Ein anhaltender gegenläufiger Trend ist bei der Entwicklung der Nachfrage nach traditionellem Fernsehen zu beobachten. Auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie (Mai 2021) wurden noch 64,0% aller Fernsehinhalte über das lineare TV konsumiert. Im Juli 2025 waren es nur noch 40,6%. Der Streaming-Bestwert ist nicht nur auf das übliche Sommerloch (weniger Sport- und Originalsendungen) beim linearen Fernsehen zurückzuführen, sondern insbesondere auf das exklusive, qualitativ hochwertige und jederzeit abrufbare Angebot der Streaminganbieter. Im Gegensatz zum traditionellen Fernsehen, bei dem die Inhalte zu festen Uhrzeiten gesendet werden, ermöglichen die Streaming-Dienste, den Konsumenten ihre Lieblingsserien wie „Squid Game" (Netflix) oder „The Mandalorian“ (Disney+) jederzeit und ihrem eigenen Zeitplan entsprechend zu genießen. Während die Fernsehproduktionen bei den Wettbewerbern regelmäßig und unerwartet durch Werbung unterbrochen werden, können die Inhalte bei den Streaming-Anbietern (je nach Abonnement) kontinuierlich bzw. mit deutlich kürzeren Werbepausen angesehen werden.
Wir gehen davon aus, dass der Marktanteil der Streaming-Dienste in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird und das lineare TV weiter an Bedeutung verlieren wird. Profitieren werden u.E. vor allem die „Platzhirsche“ Netflix und Walt Disney, die über eine bestens gefüllte Serien- und Filmpipeline verfügen. Wir gehen nicht davon aus, dass die Bemühungen der Anbieter von linearem Fernsehen, eigene Mediatheken oder Streaming-Ableger aufzubauen, von Erfolg gekrönt sein werden, da die Markteintrittsbarrieren mittlerweile zu hoch sind und die anfänglichen Verluste nicht kompensiert werden können. Die zunehmende Übertragung der wichtigsten Sportereignisse auf Streaming-Plattformen stellt eine weitere Bedrohung für das traditionelle Fernsehen dar.
- -Markus Leistner