Türkische Lira wird ihr (geld-) politisches Trauma nicht los

Die Vorsitzende der türkischen Notenbank (TCMB), Hafize Gaye Erkan, ist am Freitagabend überraschend zurückgetreten. Staatspräsident Erdogan ernannte umgehend Fatih Karahan, einen der bisherigen stellvertretenden Notenbankchefs, zum neuen Vorsitzenden der Zentralbank. Für die Lira bleibt das (geld-) politische Risiko damit weiterhin hoch, so dass wir an unserer Einschätzung weiterer TRY-Verluste festhalten.

 

 

Zu Beginn der neuen Handelswoche sieht sich die türkische Lira mit gleich zwei Hiobsbotschaften konfrontiert, die in ihrer Kombination die Sache für die Landeswährung besonders heikel macht: Zu dem überraschenden Rücktritt der Notenbankchefin gesellt sich die Veröffentlichung der türkischen Inflation für Januar, die in der Gesamtrate im Vorjahresvergleich entgegen den Markterwartungen weiter angestiegen ist.

 

Dass der Job an der Spitze der türkischen Zentralbank oftmals einem Schleudersitz gleicht, haben uns die Erfahrungen der letzten Jahre gelehrt. Neu ist jedoch, dass, wie im Falle von Hafize Gaye Erkan, eine Person an der Spitze der TCMB (zumindest offiziell) freiwillig zurücktritt und nicht von Staatspräsident Erdogan entlassen wird. Als Grund für ihre Entscheidung nannte Erkan persönliche Gründe und beklagte eine Rufmordkampagne gegen sie. Staatspräsident Erdogan ernannte kurz darauf mit Fatih Karahan einen der bisherigen stellvertretenden Notenbankvorsitzenden zum neuen Zentralbankchef. Mit ihm geht marktseitig die Hoffnung einher, dass die orthodoxe Geldpolitik weitergeführt wird. Karahan selbst ließ kurz nach seiner Ernennung wissen, dass die TCMB bereit sei zu handeln, sollte sich der Inflationsausblick eintrüben. Dafür, dass die eingeschlagene orthodoxe Marschrichtung beibehalten wird und es sich bei der Entscheidung von Erkan (auch) um eine persönliche gehandelt haben dürfte, spricht, dass Finanzminister Simsek weiterhin im Amt ist. Dieser begrüßte die Ernennung von Karahan und machte zusammen mit Vizepräsident Yilmaz deutlich, dass Präsident Erdogan weiterhin hinter seinem Wirtschaftsteam und dessen Politik stehe.

 

Für die TCMB unter der Leitung von Karahan geht es nun darum, marktseitig Vertrauen aufzubauen. Alles andere als eine Bekräftigung der eingeschlagenen Richtung sollte als Enttäuschung gewertet werden. Was die Beibehaltung des restriktiven geldpolitischen Kurses betrifft, so dürfte der Knackpunkt jedoch weniger in der Bereitschaft von Karahan selbst liegen. Vielmehr geht es im Kern nach wie vor darum, ob Staatschef Erdogan dem Notenbankchef auch im Umfeld der im März in der Türkei anstehenden Kommunalwahlen den notwendigen geldpolitischen Spielraum gewährt. Dies gilt besonders für den Fall, wenn die Wahlergebnisse anders ausfallen sollten, als vom Staatsoberhaupt erhofft. Damit ist das (geld-) politische Risiko für die Lira weiterhin hoch und wir bekräftigen unsere Einschätzung weiterer TRY-Verluste.

 

-- Dr. Sandra Striffler


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