Konjunktur in Deutschland: Wirtschaft in Q3‘22 behauptet sich

Die deutsche Wirtschaf schafft überraschend ein Plus im dritten Quartal 2022. Der Ausblick bleibt jedoch markant abwärtsgerichtet und deutet damit ein schwieriges Konjunkturumfeld für die laufenden Herbstmonate an. Eine technische Rezession ist angesichts der aktuell düsteren Stimmung im Winterhalbjahr 2022/23 wahrscheinlich.

 

 

Der befürchtete Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung ist ausgeblieben. Das zeigt die Erstschätzung des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im abgelaufenen dritten Quartal legte das BIP um 0,3% gegenüber dem Vorquartal zu. Bei den Stimmungsindikatoren hat der Trend zuletzt aber markant abwärts gezeigt.

 

Details zu den Komponenten des Bruttoinlandsproduktes werden mit der Schnellschätzung wie gewohnt nicht veröffentlicht. Laut Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes wurde der Zuwachs vor allem von den privaten Konsumausgaben getragen. Offenbar konnte der Außenhandel damit nicht positiv hervorstechen. Das deckt sich mit unserer Einschätzung, dass vor allem der Export vor dem Hintergrund gestörter Lieferketten, steigender Preise und dem Krieg in der Ukraine an Dynamik verloren hat.

 

Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der konjunkturelle Ausblick bleibt deutlich getrübt. Alle wichtigen Wirtschaftsindikatoren deuten auf ein schwieriges Herbstquartal hin. So fiel das ifo-Geschäftsklima im Oktober nochmal leicht schwächer aus als im Vormonat. Das ausgesprochen niedrige Niveau von 84,3 Punkten signalisiert eine düstere Stimmung. Aber auch die Konsumlaune notiert trotz eines leichten Anstiegs im November weiter überaus schwach. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund eher mauer Einzelhandelsdaten aus den Sommermonaten ein schlechter Vorbote für den laufenden Herbst.

 

Der Binnennachfrage sowie dem Außenhandel dürfte damit ein ausgesprochen schwieriges Quartal bevorstehen. Ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes ist auf Basis aktuell verfügbarer Wirtschaftsindikatoren wahrscheinlich. Auch für die Wintermonate 2023 ist eine Trendwende noch nicht in Sicht. Mit einer sogenannten „technischen Rezession“ – also zwei Quartalen mit rückläufiger Wirtschaftsleistung – ist zu rechnen.

 

-- Matthias Schupeta


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