USA: Arbeitskräfte sind weiterhin knapp

Die Arbeitskräftenachfrage lässt in den USA allmählich nach. Allerdings bleiben Arbeitskräfte rar und der Lohndruck hoch. Die Fed ist daher weiterhin unter Zugzwang.
 


Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht liefert Hinweise darauf, dass der Arbeitskräftebedarf der Unternehmen allmählich nachlässt. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse legte im September gegenüber dem Vormonat um 263.000 Stellen zu. Das ist angesichts der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen zwar ein robustes Ergebnis. Besonders die Dienstleister stellten erneut viel Personal ein. So ragten die privaten Gesundheitsdienstleister und die Gastronomiebetriebe mit besonders hohen Jobzuwächsen von jeweils etwa 60.000 zusätzlichen Stellen hervor. Und auch im Verarbeitenden Gewerbe und sogar im kriselnden Bausektor wurden mehr Beschäftigte gezählt als im August.

 

Der Beschäftigungsaufbau hat sich im Vergleich zu den letzten Monaten aber erkennbar verlangsamt. So wurden im Juli noch über 500.000 und im August mehr als 300.000 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse geschlossen. Außerdem meldeten die Unternehmen zuletzt einen deutlichen Rückgang der offenen Stellen von 11,2 Mio. im Juli auf 10,1 Mio. im August. Die Unternehmen halten sich angesichts der Konjunktursorgen und einer nachlassenden Kundennachfrage bei den Neueinstellungen offenbar stärker zurück.

 

Andererseits ist das Arbeitsangebot weiterhin sehr knapp: Die Zahl der Arbeitslosen ist im September gegenüber dem Vormonat deutlich gesunken und bewegt sich weiterhin ein gutes Stück unter der Zahl der offenen Stellen. Gleichzeitig kehrten wieder einige potenzielle Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt den Rücken, sodass die Partizipationsrate leicht von 62,4% im August auf 62,3% im September zurückging. Als Folge sank die Arbeitslosenquote auf ihr fast historisch niedriges Vor-Corona-Niveau von 3,5%. Der Lohndruck dürfte unter diesen Umständen auch in den nächsten Monaten stark ausfallen. Im September lag der durchschnittliche Lohn je Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft um 5% über dem Vorjahresmonat.

 

Aus Sicht der US-Notenbank spricht der Arbeitsmarktbericht für eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung: Der anhaltende Arbeitskräftemangel und der hohe Lohndruck setzen die Fed unter Druck, den Leitzins weiter anzuheben. Da die bisherigen Leitzinserhöhungen den Arbeitsmarkt nicht wie gewünscht abgekühlt haben, wird sie den Kampf gegen die hohe Inflation weiterführen.

 

-- Alexander Buhrow


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