Südafrika: Strom-Misere hinterlässt tiefe Spuren

Die südafrikanische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal sichtbar gegenüber dem Vorquartal. Vor allem Industriebetriebe und Bergbau litten unter einer großen Lücke bei der Stromversorgung. Auch weiterhin dürfte die marode Infrastruktur die Konjunktur bremsen.

 

 

Im zweiten Quartal blieb die gesamtwirtschaftliche Leistung Südafrikas um 0,7% hinter dem Vorquartal zurück. Ein Belastungsfaktor waren die schweren Überschwemmungen in der Provinz KwaZulu-Natal im April. Diese hatten auch zweitweise zu einer Schließung des Hafens von Durban geführt, immerhin der größte Frachthafen des Landes. Besonders belastend wirkten jedoch wiederholte, mehrstündige Unterbrechungen bei der Versorgung mit Elektrizität. Davon war nicht nur das ganze Land, sondern auch das gesamte Quartal betroffen. Für alle produzierenden Bereiche wurden deshalb deutlich negative Zahlen gemeldet. Beim verarbeitenden Gewerbe lag der Rückgang bei knapp 6% und auch der Bereich „Bergbau und Gewinnung von Bodenschätzen“ schrumpfte um knapp 4%.

 

Die Strom-Misere in Südafrika ist ein lange bekanntes Problem. Seit dem Amtsantritt von Präsident Ramaphosa im Jahr 2018 bemüht sich die Regierung zwar um eine Verbesserung der Situation. Aber zum einen schleppt sich die Umsetzung von bereits beschlossenen Reformen wegen Korruption und rechtlichen Streitigkeiten nur so dahin. Zum anderen ist die staatliche Haushaltslage recht angespannt und es fehlen finanzielle Mittel zur Erweiterung und Modernisierung der Versorgungskapazitäten. Hinzu kommt, dass der staatliche Stromversorger Eskom finanziell schlecht dasteht, weil die Stromtarife gedeckelt sind, um die privaten Haushalte zu entlasten.

 

Eine Auflösung dieses gordischen Knotens ist eher nicht in Sicht, da seit einigen Wochen Präsident Ramaphosa selbst unter Korruptionsverdacht steht und nicht nur deshalb um seine Wiederwahl als Vorsitzender der Regierungspartei ANC bangen muss. Der ANC regiert seit 1994 durchgängig das Land, hat aber in den letzten Jahren sichtbar an Zustimmung in der Bevölkerung verloren.

 

Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich zuletzt etwas eingetrübt, als Gründe werden der anhaltende Kostendruck und eine schwächere Nachfrage angegeben. Insgesamt ist der Ausblick für die Konjunktur nur verhalten. Für 2022 rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von knapp 2%. Dabei wären durch die Abkehr vieler westlicher Länder von Russland als Rohstoffexporteur positive Effekte für die südafrikanische Exportindustrie zu erwarten. Wegen der maroden Infrastruktur kommt dies aber kaum zum Tragen.

 

-- Dr. Christine Schäfer


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