Indien: Wichtiger Tempomacher für die Weltkonjunktur

Die indische Wirtschaft hat wieder die kräftigen Wachstumsraten der Vor-Corona-Zeit erreicht. Für Q2 wurde jüngst ein Zuwachs von 13,5% gemeldet. Für den Erhalt und den Ausbau der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft sind aber Investitionen in die Infrastruktur erforderlich.

 


Indiens Wirtschaft konnte im zweiten Quartal einen deutlichen Zuwachs verzeichnen, gegenüber dem Vorjahresquartal steht ein Anstieg von 13,5% zu Buche. Damit zeigt sich, dass die fünftgrößte Volkswirtschaft wieder auf den kräftigen Wachstumspfad aus der Vor-Corona-Zeit eingeschwenkt ist. Für den Schwung der Weltwirtschaft ist das eine gute Nachricht. Allerdings wird sich die indische Exportwirtschaft im kommenden Winterhalbjahr nicht der schwächeren Auslandsnachfrage entziehen können.

Bei der Inlandsnachfrage dürfte der Schwung ebenfalls nachlassen, wenn auch nicht ganz so stark wie in vielen anderen Ländern. Einerseits bremst die erhöhte Inflation die Kaufkraftdynamik der privaten Haushalte. Der Preisanstieg im bisherigen Jahresdurchschnitt lag bei 6,8% und wird sich wohl nur zögerlich wieder zurückziehen. Um die Verbraucherpreise im Zaum zu halten, hat die Notenbank in diesem Jahr bereits dreimal die Leitzinsen erhöht. Dies dürfte bremsend auf den Schwung der Investitionen wirken.  

Umfragen in der indischen Wirtschaft zeigen am aktuellen Rand ein recht optimistisches Bild. Das Industrieklima von S&P Global lag im August mit 56,2 Punkten weiterhin sichtbar oberhalb der Wachstumsschwelle in Höhe von 50 Punkten. Und auch der Juli-Wert für das Serviceklima zeigt mit 55,5 Punkten ein ähnlich positives Bild.

Mit einem Wirtschaftswachstum von rund 7% in diesem Jahr und knapp 6% im kommenden Jahr ist Indien ein wichtiger Tempomacher für die Weltwirtschaft. Um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft zu erhalten und weiter auszubauen, sind jedoch umfangreiche und auch kostenintensive Investitionen in die Infrastruktur erforderlich. Die Stromversorgung ist inzwischen zwar landesweit nahezu vollständig gewährleistet, aber bei der digitalen Infrastruktur und den Transportwegen besteht noch deutlicher Nachholbedarf. Der finanzielle Spielraum der Regierung ist jedoch recht begrenzt, da durch die Corona-Krise die Staatsverschuldung sichtbar auf 87% gestiegen ist. Zudem klafft schon seit längerem im jährlichen Budget eine chronische Lücke, da auf der Ausgabenseite alljährlich zahlreiche Haushaltsmittel für Sozialausgaben benötigt werden.
 

-- Dr. Christine Schäfer


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