EWU-Inflationsrate klettert noch höher

Die Inflationsrate im Euro-Raum hat im August mit 9,1% ein neues Rekordhoch erreicht. Die hohen Energiepreise und verstärkt auch die Nahrungsmittelpreise treiben den Inflationsdruck.

 

 

Die Inflationsrate im Euro-Raum – gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – ist im August von 8,9 auf 9,1% gestiegen und markiert damit ein neues Allzeithoch. Abermals lieferten die Energiepreise den größten Beitrag zum Preisanstieg, obwohl die Jahresteuerungsrate bei Energie sogar etwas geringer ausfiel als im Vormonat. Für Nahrungsmittel und industrielle Güter mussten die Verbraucher im August deutlich mehr zahlen. Am geringsten fiel die Preissteigerung bei den Dienstleistungen aus.

 

In den größten Mitgliedsländern stieg die Inflationsrate aber nicht überall weiter an. Zwar legte die Teuerungsrate in Deutschland von 8,5 auf 8,8% zu, in Italien stieg sie von 8,4 auf 9,0% und in den Niederlanden sogar von 11,6% auf 13,6%. Der Preisauftrieb in Frankreich und in Spanien ließ dagegen leicht nach, gleichwohl bleibt auch dort der Inflationsdruck auf rekord-hohem Niveau.

 

Und allem Anschein nach wird die Inflationsrate des Euro-Raums in den kommenden Monaten hoch bleiben und sogar noch weiter zulegen. Dies hängt aber auch von den wirtschaftspolitischen Maßnahmen in den Mitgliedsländern ab. In Deutschland sind die Entlastungsmaßnahmen Ende August ausgelaufen. Der Tankrabatt wird nicht verlängert und ob es eine Alternative zum 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr gibt, ist derzeit noch in der Debatte. Hinzu kommt ab Oktober die Gasumlage für alle Gaskunden. Es deuten sich somit weitere Preisbelastungen für die Verbraucher an. Die preistreibenden Effekte von der Energieseite werden wohl anhalten, denn der Preis für Erdgas bewegt aufgrund der unsicheren Versorgungssituation in schwindelerregenden Höhen. Und dies hat unmittelbare Folgen für die europäischen Strompreise, denn Erdgas bleibt auch in diesem Bereich unverzichtbar. Zudem ist bei den Nahrungsmittelpreisen nach dem Dürresommer 2022 kaum mit Preisrückgängen zu rechnen.

 

Die Europäische Zentralbank bleibt damit unter Handlungsdruck, auch wenn eine Rezession im Euro-Raum aufgrund der starken Teuerung immer wahrscheinlicher wird.

Dr. Christoph Swonke


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