Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum – Der Gegenwind nimmt zu

Der Composite-Einkaufsmanagerindex für die EWU ist im Juni spürbar zurückgegangen. Zwar liegt das Stimmungsbarometer noch nicht im Rezessionsbereich, das Ausmaß der Korrektur verdeutlicht aber, dass die aktuelle Gemengelage für die Wirtschaft zunehmend schwieriger wird.

 


Im Juni ist die Stimmung bei den Einkaufsmanagern gemäß der Umfrage von S&P Global deutlich skeptischer ausgefallen. Der umfassende Composite-Index sank um 3,9 Zähler. Er notiert aktuell nur noch bei 51,9 Punkten und damit lediglich etwas über der neutralen Marke von 50 Indexpunkten. Die maßgeblichen Gründe sind nach Angaben der befragten Einkaufsmanager eine Drosselung der industriellen Erzeugung und eine deutlich geringere Geschäftstätigkeit in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen. Zudem sind die Geschäftserwartungen auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2020 gefallen. Hier spielen Sorgen über den weiteren Kostendruck, über die Energieversorgung vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, über eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen sowie über die weiterhin schwelende Lieferkettenproblematik eine wichtige Rolle.


Auf Länderebene zeigt sich in der Juni-Umfrage ein einheitliches Bild. In Deutschland sank der umfassende Composite Einkaufsmanagerindex um 2,4 Punkte auf 51,3 Punkte. Sowohl die Dienstleister als auch das verarbeitende Gewerbe äußerten sich pessimistischer. Auch in Frankreich verzeichnete die Stimmungslage einen spürbaren Dämpfer. Hier rutschte der Composite-Index sogar um 4,2 Punkte auf ein Niveau von 52,8 Punkte ab. Gemäß S&P verfinsterten sich auch in den anderen Euroländern, deren Ergebnisse erst später veröffentlicht werden, die Konjunktureinschätzungen.


Der Gegenwind für die Konjunktur ist kräftig und ein Abflauen derzeit nicht zu erwarten. Die aktuellen Rahmenbedingungen aus Lieferkettenproblemen, enorm hohem Preisdruck, steigenden Lebenshaltungskosten und der hohen Unsicherheit über den Fortgang und die Folgen des Ukraine-Kriegs, gerade im Zusammenhang mit der Energieversorgung, drücken immer mehr auf die Stimmung der Einkaufsmanager. Gerade die zuletzt vermeldeten Kürzungen russischer Gaslieferungen verdeutlichen, dass Europa damit eine offene Flanke hat, die sich zeitnah nicht schließen lässt. Mit einer Beschleunigung der EWU-Konjunktur rechnen wir daher vorerst nicht. Vielmehr ist in den kommenden Monaten und Quartalen nur mit einer schwachen Konjunkturentwicklung im Euro-Raum zu rechnen.


-- Dr. Christoph Swonke


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