China: Konjunktur bremst im März deutlich ab

China meldet für Q1 eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Die Folgen der Corona-Lockdowns lasten aber ab März auf der Wirtschaft und trüben den weiteren Konjunkturausblick deutlich.

 

 

 

„Seit März ist das konjunkturelle Umfeld deutlich schwieriger geworden“, kommentiert das chinesische Statistikamt die aktuellen Wirtschaftsdaten vom Monat März und vom ersten Quartal dieses Jahres und meint damit nicht nur die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs – hohe Energiepreise und eine geschwächte globale Nachfrage –, sondern vor allem die heftige Corona-Welle, die China seit Anfang März erfasst hat. In der Tat lasten die Auswirkungen der strengen Null-Covid-Maßnahmen schon erkennbar auf der Konjunktur des Landes. Im März sind die Wachstumswerte durchweg schwächer ausgefallen als im Vormonat, Einzelhandel, Autoproduktion oder Wohnungsverkäufe schrumpften deutlich. Die Stimmungsumfragen knickten sogar so kräftig ein wie seit der Rezession zu Beginn der Pandemie nicht mehr.

Trotzdem, und das ist die gute Nachricht für den Moment, konnte sich das Wirtschaftswachstum im gesamten ersten Quartal dieses Jahres noch behaupten. Mit einer Rate von 4,8% (J/J) wurde sogar eine überraschend deutliche Beschleunigung gegenüber dem – wenngleich relativ schwachen – Jahresschluss 2021 erzielt. Zu verdanken ist dies vor allem öffentlichen Investitionen, die die chinesische Regierung auf den Jahresbeginn vorgezogen hatte und wodurch insbesondere die Industrie im Januar und Februar einen deutlichen Schub erhielt. Diese Stimuli hätten die Konjunktur ursprünglich sicherlich stärker beleben sollen, vor allem, damit der selbstgesteckte Zielwert für das Wirtschaftswachstum von 5,5% in diesem Jahr eingehalten wird. Jetzt konnten die Konjunkturmaßnahmen aber zumindest dazu beitragen, die Schäden, die bislang durch die Corona-Einschränkungen entstanden sind, abzufedern.

Gleichwohl liest sich der Kommentar aus Peking wie ein schlechtes Omen für die kommenden Wochen, wenn nicht Monate. Das Infektionsgeschehen in Schanghai, dem Epizentrum des aktuellen Ausbruchs, ist weiterhin nicht unter Kontrolle. Der Lockdown dort wird so bald nicht aufgehoben werden, gleichzeitig verschärften weitere Städte ihre Schutzmaßnahmen. Damit wird die Konjunktur im April eher noch schwächer ausfallen als im März und das Wirtschaftswachstum dürfte im laufenden Quartal wieder erkennbar abbremsen. Außerdem sind die Wachstumsrisiken für den weiteren Jahresverlauf deutlich gestiegen. Chinas Null-Covid-Ansatz kommt mit der hochansteckenden Corona-Variante Omikron ganz offensichtlich an seine Grenzen. Neue Infektionsherde und weitere Lockdowns sind daher wahrscheinlich. Ohne zusätzliche staatliche Konjunkturhilfen wird das Wirtschaftswachstum aus unserer Sicht im weiteren Jahresverlauf verhalten bleiben und das Wachstumsziel in diesem Jahr ein gutes Stück verfehlt werden.


-- Monika Boven


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