Türkei: Preisanstieg im Galopp, aber wohl noch nicht am Zenit

Die Inflation in der Türkei ist auf 61% gestiegen. Der Zenit wurde aber wohl noch nicht erreicht. Die Stimmung bei den Konsumenten war dennoch zuletzt erstaunlich robust.

 

 

 

 

Es sieht derzeit ganz danach aus, als könnte die Türkei in diesem Jahr im Hinblick auf die Inflation im internationalen Vergleich einen traurigen Spitzenplatz belegen. Für März wurde jüngst eine Teuerungsrate von 61,1% gemeldet, nach bereits 54,4% im Vormonat.


Erneut verteuerten sich besonders die Energiepreise, aber auch bei Nahrungsmitteln ging es weiter aufwärts. Damit ist die Inflation bereits so hoch wie zuletzt vor 20 Jahren, aber der Höhepunkt ist wohl noch nicht erreicht. Einerseits wirkt der starke Wertverlust der türkischen Lira im vergangenen Jahr immer noch nach. Andererseits sorgen Energie und Nahrung angeheizt durch den Ukraine-Krieg weiter für Auftrieb. Zudem reichen einige Dienstleister den in den vergangenen zwei Jahren entstandenen Kostendruck jetzt an die Verbraucher weiter. Erst ab der Jahresmitte wird die Inflation wohl ganz allmählich den Rückzug antreten. Nach der jüngsten Umfrage der türkischen Notenbank unter Marktteilnehmern ist Ende dieses Jahres immer noch mit einer Rate von rund 40% zu rechnen.


Die angespannte Situation bei der Inflation hinterlässt auch ihre Spuren bei der Konjunktur. Die spürbar geschrumpfte Kaufkraft lastet auf dem privaten Konsum. Die Stimmung bei den Verbrauchern zeigte sich bei den letzten Umfragen dennoch erstaunlich robust. Ein bereits zum Jahreswechsel deutlich erhöhter Mindestlohn, die Senkung der Mehrwertsteuer auf einige Produkte und auch eine Entspannung bei der Corona-Pandemie haben wohl stützend gewirkt. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich die Waagschale beim Konsumklima noch weiter in den positiven Bereich bewegt. Denn erst vor wenigen Tagen hat die staatliche Energie-Agentur zum 1. April die Gaspreise für private Haushalte um 35% und für Firmen um 50% erhöht. Zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung dürfte es aber dennoch nicht kommen. Die Abbremsung beim Wachstum von stattlichen 11% in 2021 auf nur noch rund 2% in diesem Jahr fällt dennoch wohl recht deutlich aus.
 

-- Dr. Christine Schäfer


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