Chemiebranche leidet unter Russland-Ukraine-Krieg

Global agierende Chemiekonzerne mit starken Produktportfolien sollten mit den Folgen besser umgehen können.

 

 

 

 

Als Absatzmarkt sind Russland und die Ukraine für die Chemiebranche zwar wenig bedeutend. Das direkte Russland- und Ukraine-Exposure ist dementsprechend überschaubar. Laut Verband der Chemischen Industrie VCI machen Russland und die Ukraine zusammen knapp 3% der deutschen Chemie- und Pharmaexporte aus und rund 2% der Direktinvestitionen im Ausland. Dennoch hat der Verband die bisherige positive Einschätzung für das Jahr 2022 zurückgezogen und gibt angesichts der derzeit unkalkulierbaren erheblichen ökonomischen und politischen Unsicherheiten keine neue Prognose.

 

Erheblicher als die direkten Auswirkungen sind derzeit die indirekten Folgen des Russland-Ukraine-Krieges in Form von hohen Energiepreisen und Lieferkettenengpässen. Die Chemieindustrie zählt zu den energie- und rohstoffintensivsten Branchen. Die ausreichende Verfügbarkeit von Erdgas und Rohöl als Rohstoffe oder im Rahmen der Energieerzeugung stellt eine größere Herausforderung dar. Der VCI warnte daher vor massiven Folgen eines russischen Importstopps für die Branche. Aufgrund der engen Verbindung der Chemiebranche mit dem weiterverarbeitenden Gewerbe würden sich Produktionseinbußen im Chemiesektor über die Wertschöpfungsketten auf die gesamte Industrie in Deutschland übertragen.

 

Bei den Chemieunternehmen unserer Credit Research Coverage handelt es sich um global agierende Konzerne mit in der Regel guter Bonität und entsprechender finanzieller Flexibilität. Diese Chemiekonzerne verfügen über eine entsprechende Preissetzungsmacht auf Basis eines starken Produktportfolios. Durch längerfristige Preisgleitklauseln und ihre Marktpositionierung können sie die Preiserhöhungen häufig zu großen Teilen zumindest zeitversetzt weitergeben, auch wenn dies in einem wahrscheinlich von rückläufigem Mengenwachstum geprägten Umfeld 2022 schwieriger werden dürfte. Aufgrund ihrer globalen Ausrichtung mit weltweiten Produktionsstandorten und Beschaffungsmärkten sind sie zudem weniger stark vom Produktionsstandort Deutschland abhängig, der mit seiner in der Vergangenheit einseitig auf Russland ausgerichteten Energieversorgung aktuell einen Wettbewerbsnachteil hat. Dennoch bleibt zu bedenken, dass die aktuellen Unternehmensausblicke der Chemie derzeit vor einem unsicheren Hintergrund erfolgen, weil die globalen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine nicht absehbar sind.

 

-- Markus Rohleder


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