Australiens Reichtum an Rohstoffen – Fluch oder Segen?

Die Nachfrage westlicher Länder nach australischen Rohstoffen ist durch den Ukraine-Krieg kräftig gestiegen. Aber Kapazitätsprobleme beschränken die Liefermöglichkeiten.

 

 

Trotz einer sehr strikten Null-Covid-Politik in den Jahren 2020 und 2021 ist Australiens Wirtschaft vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Dafür hat vor allem der anhaltende Rohstoffhunger Chinas gesorgt. Aber gerade die große Abhängigkeit der australischen Exportwirtschaft von diesem mächtigen Handelspartner will die Politik schon seit einer Weile reduzieren. Deshalb soll die Weiterverarbeitung von Rohstoffen im eigenen Land vorangetrieben werden, um die Ausfuhr von verarbeiteten Produkten zu erhöhen.

 

Um dies umzusetzen, besteht ein erheblicher Investitionsbedarf bei der öffentlichen Infrastruktur. Der Krieg in der Ukraine hat die Dringlichkeit noch deutlich erhöht. Durch die jüngste Abkehr vieler westlicher Länder von Russland als Handelspartner ist die Nachfrage nach australischen Rohstoffen in kurzer Zeit in die Höhe geschnellt. Vor allem bei den Produzenten von Kohle, Gas und Weizen stehen die Telefone nicht mehr still.

 

Kurzfristig wird die australische Exportwirtschaft die zusätzlich entstandene Nachfrage wohl nur eingeschränkt bedienen können, auch wenn inzwischen die private Wirtschaft fieberhaft an Lösungen arbeitet. Neben Kapazitätsgrenzen beim Transport und bei der Produktion, verweisen die Firmen auch auf fehlendes qualifiziertes Personal. Letztlich rächt sich jetzt die Investitionszurückhaltung beim Staat und in vielen Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren.

Wegen des fehlenden Reformeifers der australischen Politik in den vergangenen Jahren und auch wegen der Zurückhaltung der privaten Investoren könnte man verleitet werden, die australischen Rohstoffvorkommen als „Fluch“ zu bezeichnen. Zu einfach war das Geldverdienen mit den Bodenschätzen in der Vergangenheit und auch jetzt wird mit den an den Weltmärkten deutlich erhöhten Preisen wieder sehr viel Geld in die privaten und öffentlichen Kassen gespült. Da ist die Versuchung groß, kostenintensive Investitionen weiter auf die lange Bank zu schieben.

 

Tatsächlich ist Rohstoffreichtum aber wohl auch gerade deswegen ein „Segen“, weil die Abhängigkeit von Rohstoffimporten aus anderen Ländern gering ist. Darüber hinaus geben die derzeit kräftig sprudelnden Einnahmen beispielsweise auch die Möglichkeit, in „F&E“ von Zukunftstechnologien nicht nur im Bereich der Energieerzeugung zu investieren. Ebenso besteht grundsätzlich der finanzielle Spielraum für Ausgaben in Bereichen, die erst in ein paar Jahren ertragreich sein werden oder deren Ertrag unsicher ist.

 

-- Dr. Christine Schäfer


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