EZB wird APP-Käufe schneller drosseln als bislang avisiert

EZB besinnt sich auf ihr Inflationsziel und liefert eine überraschend hawkishe Ratssitzung.

 

Die europäischen Währungshüter haben heute beschlossen, die Abkehr von ihrer bisherigen ultra-expansiven Geldpolitik entschlossener anzugehen. Die Notenbank-Oberen machen damit sehr deutlich, dass die Wahrung des Inflationsziels ihre oberste Priorität ist. Die EZB wird die Anleihekäufe im Rahmen des Asset Purchase Progamme (APP) deutlich schneller beenden als bislang skizziert. In Abhängigkeit der Datenlage könnten die Nettoneukäufe bereits im dritten Quartal beendet werden. Hinsichtlich des Ausblicks für die Leitzinsentwicklung hat die EZB ihre Forward Guidance etwas modifiziert. So heißt es nunmehr, dass eine Leitzinsänderung „einige Zeit nach“ Beendigung der Anleihekäufe erfolgen wird. Bislang wurde ein deutlich kürzerer Zeitraum zwischen dem Ende der Wertpapierkäufe und einer ersten Zinserhöhung avisiert („shortly after“). Nach dieser Ratssitzung ist eine Leitzinserhöhung der EZB in diesem Jahr sehr wahrscheinlich. Dies spiegelt sich auch in den deutlich gestiegenen ESTR-Forwards wider. Die geänderte Forward Guidance deutet aber darauf hin, dass ein Zinsschritt nicht unmittelbar nach Beendigung der APP-Käufe erfolgen muss. Für die Währungshüter ergibt sich damit eine gewisse zeitliche Flexibilität. Lagarde hat mehrfach hervorgehoben, dass die Entscheidung über eine erste Zinserhöhung in Abhängigkeit der Datenlage getroffen wird. Wir favorisieren eine vorsichtige Gangart der Notenbank und rechnen erst zum Ende des Jahres mit der Leitzinswende (+10 Bp Einlagesatz). Letztendlich wird der Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung aber vor allem davon abhängen, wie sich die derzeit noch sehr unsichere Lage in der Ukraine entwickelt.

--Christian Reicherter


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