Britische Wirtschaft startet mit Schwung in schwieriges Jahr 2022

Das überraschend kräftige Plus im Januar ist Rückenwind für die britische Wirtschaft, die in den kommenden Monaten - wie überall in Europa - unter hohen Energiepreisen sowie unter den gegen Russland verhängten Sanktionen leiden wird.

 

 

 

Die britische Wirtschaft hat erneut eine verblüffende Widerstandskraft bewiesen. Nach einem leichten Rückgang im Dezember ist ihr im Januar ein kräftiger Rebound von 0,8% (M/M) gelungen – trotz Omikron-Welle, die erst Anfang Januar ihren Höhepunkt erreichte, trotz einer Inflationsrate von fast 5½ % und der gerade vollzogenen Kehrtwende der Geldpolitik. Doch vor allem die Verbraucher haben das Wachstum zu Jahresbeginn getragen und angesichts absehbarer Lockerungen der ohnehin nur moderaten Corona-Maßnahmen die Kaufzurückhaltung der Vorweihnachtszeit aufgegeben. Nur der Unterhaltungssektor hat im Januar noch erkennbar unter den Corona-Einschränkungen gelitten.

Der robuste Jahresauftakt ist Rückenwind für einen ansonsten deutlich belasteten und unsicheren Wachstumsausblick für dieses Jahr. Wir rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von knapp 3½ % in Großbritannien in 2022 – das ist mehr als wir für die meisten EWU-Länder veranschlagen. Allerdings dürften die Rückwirkungen der weitreichenden Sanktionen gegen Russland sowie die Folgen der hohen Energiepreise auch in Großbritannien in den kommenden Monaten für einen empfindlichen Wachstumsdämpfer sorgen. Nur unter der Annahme, dass bis zur Jahresmitte eine Verhandlungslösung zwischen der Ukraine und Russland gefunden wird, ist mit einer wirtschaftlichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen – in Großbritannien wie weltweit.

Die britische Wirtschaft ist zwar längst nicht so abhängig von russischen Energielieferungen wie andere europäische Volkswirtschaften. Vor allem der vergleichsweise hohe Gasverbrauch kann gut über eigene Gasvorkommen sowie Importe aus Norwegen und den Niederlanden gedeckt werden. Jedoch werden die hohen Weltmarktpreise für Gas und Öl auch in Großbritannien die bereits hohe Inflation weiter anschieben und die Kaufkraft der Verbraucher schmälern. Bis auf 8% dürfte die Verbraucherpreisinflation im Frühjahr steigen und im Gesamtjahr 2022 bei knapp 7% liegen – der höchste Wert seit Anfang der 1990er Jahre.

-- Monika Boven

 


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