Deutsche Bankkredite zuletzt dynamisch – Perspektiven unsicher

Angetrieben vom Wachstum der Unternehmenskredite zeigten sich die Bankkredite in Deutschland Ende 2021 recht dynamisch. Auf den Perspektiven lastet die Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg.

 

 

Eine deutliche Wachstumsbeschleunigung kennzeichnete den deutschen Kreditmarkt im vierten Quartal 2021. So legten die Kundenkreditbestände der Banken von Ende 2020 bis Ende 2021 insgesamt um 4,5% auf 3.206 Mrd. Euro zu. Für die verstärkte Dynamik sorgte das Firmenkundengeschäft, das die Wachstumsschwäche nach dem Auslaufen von Corona-Hilfs-Krediten überwinden konnte. Während die privaten Wohnungsbaukredite ihr hohes Wachstumstempo auch im Schlussquartal des letzten Jahres hielten, setzte sich der Abbau der weniger bedeutenden Bankschulden des Staates fort.

Der Krieg in der Ukraine wird wegen Sanktionen, Lieferschwierigkeiten und nochmals stark steigender Energiepreise nicht ohne Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland bleiben. Die aktuelle Situation birgt allerdings viele Unsicherheiten, die es schwermachen, den Bremseffekt zu prognostizieren. Wir rechnen für 2022 mit einem Rückgang des BIP-Wachstums auf unter 2%. Vor allem Unternehmen mit intensiven Wirtschaftsbeziehungen nach Russland, Belarus und die Ukraine bekommen die Auswirkungen bereits merklich zu spüren. Das dürfte die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die hiervon ausgehende Kreditnachfrage in den nächsten Monaten dämpfen. Wie stark dieser Effekt ausfällt und wie lange er anhält, lässt sich derzeit kaum absehen.

 

Während sich die weitere Nachfrageentwicklung im Firmenkreditgeschäft schwer abschätzen lässt, erweist sich die Nachfrage nach privaten Immobilienkrediten weiterhin als äußerst stabil auf hohem Niveau. Der Wunsch zum Erwerb von Wohneigentum ist anhaltend hoch – vor allem auch nach den Erfahrungen mit Corona, die eine neue Wertschätzung des Zuhauses mit sich brachten. Probleme bereiten eher Kapazitätsengpässe der Bauindustrie, die dafür sorgen, dass neue Wohnungen nur nach und nach fertiggestellt werden können. Ein Abreißen der kräftigen Immobilienkreditnachfrage in Deutschland ist bis auf weiteres nicht absehbar.

 

-- Michael Stappel und Dr. Claus Niegsch


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Anzahl Kommentare: 2

Hubert Hendler

31.03.2022 um 16:08

Die getroffenen Einschätzungen teile ich, wobei nicht so sehr Kapazitätsenpässe der Bauwirtschaft als vielmehr zunehmende Lieferengpässe von Vorprodukten eine Rolle spielen und damit einhergehend tw. enorme Preissteigerungen bei Schlüsselmaterialien wie Stahl, Beton, Steinen und Dämmung.

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Michael Stappel

04.04.2022 um 15:14

Hallo Herr Hendler, ich teile Ihre Einschätzung, dass Lieferengpässe und die enormen Preisanstiege bei Baumaterialien den Wohnungsbau massiv behindern. Das betrifft den Bau und das Ausbaugewerbe – eine Entwicklung, die mit der Erholung der Wirtschaft in China nach der ersten großen Corona-Welle einsetzte und die bis heute spürbar ist. Doch schon davor kamen Bauunternehmen und Handwerker der kräftig wachsenden Nachfrage kaum noch hinterher. Zwar sind die Wohnungsfertigstellungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, doch noch schneller wuchsen die Baugenehmigungen und die Lücke wurde immer größer. Michael Stappel

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