Mittel- und Osteuropa: Anleger in Sorge, aber nicht panisch

Baltische, ungarische und rumänische Anleihen leiden unter dem Krieg in der Ukraine; Anleger bevorzugen Westeuropa.


Der Krieg in der Ukraine versetzt auch Anleger in große Sorge. Während westeuropäische Staatsanleihen in der laufenden Krise als sicherer Hafen wahrgenommen werden, ist die Marktlage in der MOE-Region wesentlich differenzierter zu beurteilen. Seit Ausbruch der Krise kristallisieren sich innerhalb des MOE-Segments drei Subsegmente heraus. Spreadeinengungen sind insbesondere bei Slowenien und der Slowakei zu beobachten. Das liegt zum einen an der guten Bonität der Emittenten, zum anderen an ihrer Zugehörigkeit zur Eurozone. Damit profitieren beide Staaten unmittelbar auch von den EZB-Anleihekäufen.


Trotz guter Ratings und ihrer Zugehörigkeit zur Eurozone sieht die Lage bei Anleihen des Baltikums schlechter aus. Lettische, aber noch mehr litauische Anleihen verzeichneten zuletzt substantielle Spreadausweitungen. Neben dem Restrisiko eines Übergreifens des Konflikts auf die baltischen Staaten sind die Spreadausweitungen auch mit den im EU-Vergleich stärkeren wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland zu erklären. Allerdings konnte die vorherige Abhängigkeit von russischem Erdgas durch den Bau eines Hafens für Flüssiggas-Terminals in Litauen vor Jahren bereits reduziert werden. Noch stärker haben sich bislang aber die Eurobond-Spreads der Nicht-EWU-Staaten Polen, Ungarn und vor allem Rumänien ausgeweitet. Alle drei Staaten profitieren nicht direkt von den EZB-Anleihekäufen. Rumänien und Ungarn weisen außerdem im MOE-Vergleich schlechtere Ratings auf.


Im Fall einer Fortsetzung der Kämpfe, langanhaltender oder gar noch stärkerer Sanktionen gegen Russland ist nicht mit einem Rückgang der Risikoprämien in den beiden am stärksten betroffenen Subsegmenten zu rechnen. Im Gegensatz hierzu wäre die nicht nur aus Marktsicht günstigste Entwicklung dann zu erwarten, wenn die Kämpfe eingestellt würden und sich Russland aus der Ukraine zurückzöge. Die politischen Risikoprämien würden sich dann voraussichtlich schnell und in großen Teilen zurückbilden. Fraglich wäre, wie der Markt bei einem durch Russland erzwungenen Ende der Kämpfe und einer Besetzung der Ukraine reagierte. Einerseits könnte die Sorge vor einer Fortsetzung der Gewaltspirale zumindest kurzfristig sinken, andererseits hätten die wirtschaftlichen Sanktionen des Westens gegenüber Russland voraussichtlich für längere Zeit Bestand. Wenn überhaupt, würden die Spreads in solch einem Fall viel langsamer und allenfalls graduell sinken.

 

-- Daniel Lenz


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