EWU-Inflationsrate steigt weiter – Sondereffekt in Italien

Im noch immer wirtschaftlich schwierigen Umfeld der Omikron-Welle hat sich der Preisdruck bei den Verbraucherpreisen des Euro-Raums im Januar nicht ermäßigt. Die Inflationsrate stieg sogar leicht von 5,0% auf 5,1%. Noch immer sind die Energiepreise der wichtigste Faktor hinter der hohen Teuerungsrate. Im Januar hat sich der Preisauftrieb wegen höherer Öl-, Gas- und Strompreise im Vorjahresvergleich wieder beschleunigt. Auch bei Nahrungs- und Genussmitteln fiel der Preisdruck höher aus, während er im Dienstleistungsbereich gleichblieb und bei den industriellen Gütern ohne Energie etwas nachgab.

 

Die erhoffte Entlastung durch den Wegfall des Mehrwertsteuereffekts in Deutschland fiel auch im Aggregat der Währungsunion geringer aus als gedacht. Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), sank nach vorläufigen Zahlen nur von 5,7% auf 5,1%. In Frankreich gab die Messzahl kaum spürbar von 3,4% auf 3,3% nach. Die spanischen Verbraucherpreise gingen von 6,6% auf 6,1% zurück.

 

Auf Länderebene trug insbesondere Italien zu der höheren Inflationsrate im Euro-Raum bei, denn dort stieg die Inflationsrate zum Jahresauftakt sogar deutlich von 4,2% auf 5,3%. Dies erklärt sich durch die enorme Verteuerung der Strom- und Gaspreise. Die italienische Energieregulierungsbehörde hatte für das erste Quartal 2022 kräftige Preisanstieg bei Strom und Gas genehmigt. Im Januar stiegen die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahr daher um 39% und damit deutlich stärker als in den anderen Ländern.

 

Die hohen Energiepreise werden wohl auch in den kommenden Monaten der ausschlaggebende Faktor bei den Verbraucherpreisen bleiben. Die Befürchtungen vor einer möglichen Eskalation der angespannten Situation zwischen der Ukraine und Russland treiben die Preisnotierungen für Öl und Gas an den Märkten immer wieder in neue Höhen. Zusätzlich sorgen die globalen Lieferengpässe noch immer für einen hohen Preisdruck im Bereich der industriellen Güter. Gestiegene Betriebsmittelkosten im landwirtschaftlichen Bereich üben Druck auf die Verkaufspreise von Nahrungsmitteln aus. Und nach dem Abklingen der Omikron-Welle dürften die Dienstleister mit Preisaufschlägen versuchen, ihre durch die Pandemie erlittenen Verluste auszugleichen. In der Summe werden wir uns in den kommenden Monaten also weiterhin auf hohe Inflationsraten einstellen müssen.

 

Dr. Christoph Swonke

 

 


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