Die Fed zeigt ihre Zähne

Angesichts einer Inflationsrate von 7% (J/J) und einer Arbeitslosenquote von unter 4% haben die Fed-Mitglieder deutlich gemacht, dass die Bekämpfung des kräftigen Preisdrucks oberste Priorität besitzt. Die Reduktion der Anleihekäufe wurde bereits im Dezember beschleunigt und damit der Weg für die Zinswende freigemacht. Damit stellt sich die Frage, ob die Fed schon jetzt die Weichen für eine Leitzinserhöhung im März stellt oder ob zunächst die weitere Entwicklung der Pandemie sowie der Energiepreise abgewartet werden. Die Marktteilnehmer erwarten nun vier Zinserhöhungen in diesem Jahr. Dabei wird zudem über die Möglichkeit spekuliert, die Fed könne mit einem großen Zinsschritt von 50 Basispunkten die geldpolitische Wende einläuten. Die Aussagen von Powell dürften daraufhin untersucht werden, wann die US-Notenbank die geldpolitische Wende einläuten wird und ob der erste Zinsschritt klein (25 Basispunkte) oder groß (50 Basispunkte) ausfallen wird.

Die Zeit zum Handeln ist gekommen

Die US-Notenbank sieht sich der Kritik ausgesetzt, dass sie den überwiegend extern bedingten Preisdruck nicht adressieren kann. Unabhängig davon, ob und wie stark die Fed die Leitzinsen anheben wird, die Problematik der globalen Angebotsengpässe lässt sich dadurch nicht mildern. Doch nicht nur die steigenden Energiepreise und die Lieferkettenproblematik bereiten der US-Notenbank Sorgen. Kritischer sind oftmals diejenigen Preissteigerungen, die durch Zweitrundeneffekte ausgelöst werden und sowohl auf die Kernrate als auch auf die Inflationsrate Auswirkungen haben. Zweitrundeneffekte resultieren zum einen aus dem Wunsch der Gewerkschaften und Arbeitnehmer, den Preisanstieg durch höhere Lohnforderungen auszugleichen. Und zum anderen aus dem Wunsch der Unternehmen, höhere Produktionskosten auf den Verkaufspreis abzuwälzen. Hierdurch kommt es zu einem dauerhaft steigenden Preisniveau. Es besteht die Gefahr einer Lohn-/Preisspirale.

Die jüngsten Reden von verschiedenen FOMC-Mitgliedern lassen im Grunde genommen nur den Schluss zu, dass die Fed diese Risiken sieht. So gesellt sich zum aktuellen Preisdruck eine aktive Konsumtätigkeit. Aufgrund fehlender Konsummöglichkeiten während der Pandemie, der Verunsicherung der Konsumenten sowie direkter Transferzahlungen von der Regierung wurde in den Vereinigten Staaten in den vergangenen zwei Jahren ein hohes Sparaufkommen aufgebaut. Dieses hat in den zurückliegenden Monaten für eine rege Konsumtätigkeit gesorgt. Die Unternehmen können aufgrund der hohen Nachfrage die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weitergeben, sodass es hierdurch unweigerlich zu einer dynamischen Preisentwicklung kommt. Da der Arbeitsmarkt fast Vollbeschäftigungsniveau erreicht hat, kann dies schnell in eine Lohn-Preis-Spirale münden. Die Inflation würde sich verfestigen.

Dem beabsichtigt die US-Notenbank schon frühzeitig einen Riegel vorzuschieben. Für das kommende FOMC-Treffen scheint damit festzustehen, dass der Grundtenor recht aggressiv (hawkisch) ausfallen wird. Doch ob dies die Rentenmärkte erneut beunruhigt, bleibt fraglich. So haben sich in den vergangenen Wochen marktseitig die Spekulationen über immer stärkere Zinsanhebungen weiter hochgeschraubt. Noch stärkere Zinsanhebungserwartungen kann die Fed schwer schüren, es sei denn, sie stellt einen großen Zinsschritt in Aussicht. Davon gehen wir nicht aus. Insgesamt bleibt die Botschaft der Fed aber klar, der hohe Preisdruck wird nicht geduldet. Das wird auch der Tenor der kommenden Pressekonferenz sein.

 

--Birgit Henseler


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