Senken die EZB-Anleihekäufe die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen? Wir haben nachgerechnet!

In der Tat reduzieren die EZB-Anleihekäufe die Höhe der Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen und zwar immerhin um 15 - 20 Basispunkte. Der Zusammenhang zwischen Geldpolitik und den Risikoaufschlägen ist unbestreitbar. Bevor die EZB anfing, in großem Stil Anleihen zu kaufen, war dieser jedoch indirekter Natur und wirkte über den Leitzins auf die Konjunktur und damit auf die Bonität von Unternehmen. Seit 2015, als das Asset Purchase Programme (APP) begann, und spätestens seit 2016, als die EZB auch Unternehmensanleihen in das Kaufprogramm aufnahm, ist der Zusammenhang zwischen Geldpolitik und Spreads noch viel stärker geworden. Neben den indirekten Effekten der Politik der Notenbank verzerren die Käufe auch direkt das Angebots- und Nachfrageverhältnis am Markt.



Die Höhe des Einflusses der EZB-Ankäufe auf die Corporate Spreads zu berechnen ist nicht ganz einfach, da es unmöglich ist, den alternativen Lauf der Wirtschaft ohne die Maßnahmen der EZB zu modellieren. Allerdings gibt es Methoden, den direkten Einfluss der Käufe auf Spreads zu schätzen. Wir haben eine Quantifizierung anhand eines multiplen linearen Regressionsmodells sowie durch Ableitungen aus der Entwicklung am CDS-Markt versucht. Im Ergebnis kommen wir zu einem direkten Einfluss der EZB-Anleihekäufe auf Corporate Spreads mit einer Reduktion in einer Größenordnung von 15 – 20 Bp.

Aus dieser Schätzung lässt sich ableiten, dass Corporate Spreads anfällig gegenüber einer Normalisierung der EZB-Geldpolitik sind. Sollten die Anleihekäufe eingestellt werden, könnte die Spreadausweitung sogar noch höher ausfallen, da davon auszugehen ist, dass auch der indirekte Effekt der ultra-expansiven Geldpolitik schwächer wird. Allerdings ist zu bedenken, dass die Schätzungen mit hoher Unsicherheit behaftet sind und der Einfluss der EZB natürlich auch nur eine Komponente der Risikoaufschläge darstellt. Die tatsächliche Spreadveränderung hängt darüber hinaus von weiteren Faktoren wie der operativen Entwicklung, der Geschäfts- und Finanzpolitik der Unternehmen oder dem Emissionsvolumen in diesem Marktsegment ab. Nichtsdestotrotz sehen wir angesichts der hohen Inflation und der bereits angekündigten Reduzierung der Anleihekäufe durch die EZB für die nächsten Wochen eher Ausweitungsdruck für die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen. Mit einer vollständigen Einstellung der Anleihekäufe bei Corporates rechnen wir aber erst im kommenden Jahr.

Thomas J. Weber


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