US-Midterms: Siegeszug der Demokraten, Niederlage für Trump

Der deutliche Midterm-Sieg der Demokraten ist zugleich eine Schlappe für den US-Präsidenten. Trotz seiner unerwartet zahmen Reaktion dürfte die Zusammenarbeit zwischen Weißem Haus und Kongress schwierig werden. Die zunächst deutliche Marktreaktion, vor allem bei Aktienindizes, hat sich weitgehend verflüchtigt.

 

Das Bild zeigt eine symbolische Darstellung einer „blauen Welle“, die auf das Kapitol in Washington, D.C. zurollt. Die Welle ist blau eingefärbt und enthält Sterne, was auf die Demokratische Partei der USA hindeutet, deren Parteifarbe blau ist. Das Bild illustriert bildlich das politische Phänomen, bei dem die Demokraten einen bedeutenden Sieg oder Zugewinn in den USA erzielen.

 

Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich abgezeichnet, dass es den Demokraten gelingen würde, eine klare Mehrheit im amerikanischen Repräsentantenhaus zu erlangen. Auch im Senat hatten sich die Umfragen zu ihren Gunsten entwickelt. Das Ausmaß des Siegeszuges der Demokraten, den wir heute Nacht erlebt haben, hat jedoch alle Prognosen übertroffen. Bereits sehr früh in der Nacht stand fest, dass sie die Mehrheit in beiden Kammern errungen haben. Im Senat führen sie aktuell 53:42, gut möglich, dass sie am Ende bis zu 55 Sitze für sich beanspruchen können. Die Wähler haben ein klares Votum für die Demokraten und gegen die Republikaner, aber wohl insbesondere gegen Präsident Trump, abgegeben.

 

Letzterer zeigte sich heute Nacht überraschend zahm. Er gratulierte den Demokraten zu ihrem Erfolg und betonte sogar, dass er sich auf die Zusammenarbeit freue. Die Harmonie dürfte jedoch von kurzer Dauer sein, denn dem amerikanischen Kongress stehen in den kommenden zwei Jahren harte Zeiten bevor. Der Wahlkampf um die Präsidentschaft beginnt heute und beide Parteien müssen ihren Wählern beweisen, dass sie liefern können. 

 

Besonders spannend wird es mit Blick auf die Fiskalpolitik. Gleich im Januar, wenn der neue Kongress zusammentritt, könnte es zu einem erneuten Shutdown kommen, im Sommer wird die Schuldenobergrenze angehoben werden müssen. Mit einer reinen Blockadehaltung werden die Demokraten bei ihren Wählern keine Punkte sammeln können, insbesondere die progressiven Demokraten haben großzügige Wahlversprechen gemacht. Das Risiko, dass sich Republikaner und Demokraten in dieser schwierigen Konstellation hinterher auf den größten gemeinsamen Nenner einigen, ist durchaus gegeben. Angesichts der bereits extrem angespannten fiskalpolitischen Lage könnte dies für erneute Unruhe an den Märkten sorgen.

 

Kurzfristig steht auch die Frage im Vordergrund, ob Präsident Trump mit außenpolitischen Ablenkungsmanövern auf die innenpolitische Schlappe reagiert. Im Vorfeld der Wahlen hatte es hierzu einige Berichte seriöser Medien gegeben. Die Gefahr wird als nicht gering eingestuft, zumal Netanjahu nach der Knesset-Wahl ebenfalls empfänglich für diesbezügliche Ideen sein dürfte.

 

An den Finanzmärkten wird das Ergebnis der Wahl heute Morgen recht gelassen aufgenommen, wohl auch weil ein Sieg der Demokraten weitestgehend eingepreist war. Der Dollar handelt leicht schwächer, während die Renditen amerikanischer Staatsanleihen etwas gestiegen sind – beides dürfte auf die bereits erwähnten potenziellen fiskalpolitischen Auswirkungen der Wahl zurückzuführen sein. Der Aktienmarkt reagierte zunächst enttäuscht auf den Wahlausgang. Insbesondere der Technologiesektor geriet unter Druck. Hintergrund ist die Sorge, dass mehr Macht in den Händen der Demokraten den Ausbau der KI-Infrastruktur verzögern und höhere Kosten auf die Unternehmen zukommen könnten. Nicht nur die Mehrheit der Demokraten im Kongress, sondern vor allem der Wahlsieg einer Demokratin bei den Gouverneurswahlen in der republikanischen Hochburg Texas hinterließ dabei Spuren. So steht der Staat für knapp ein Drittel des geplanten Ausbaus der Datencenter in den USA. Auch technologie- und halbleiterlastige Aktienmärkte in Asien gerieten daraufhin unter Druck. Aktuell hat sich die Stimmung bereits wieder etwas aufgehellt. Hintergrund dürfte die Erkenntnis sein, dass weder Demokraten noch Republikaner ein Interesse daran haben sollten, den KI-Vorsprung gegenüber anderen Nationen, darunter nicht zuletzt China, aufs Spiel zu setzen. Beide Parteien werden folglich vorsichtig damit umgehen, diesen sowohl für die US-Aktienmärkte als auch die US-Wirtschaft wichtigen Treiber zu stark einzudämmen.

 

-- DZ Research