Euroraum wächst trotz Hormus-Krise, Frankreich schwächelt
Die Wirtschaft des Euroraums wuchs im dritten Quartal 2026 nach vorläufigen Berechnungen um 0,4% gegenüber dem Vorquartal. Die meisten Mitgliedsländer verzeichneten Zuwächse, während die französische Wirtschaft schrumpfte.
Die Wirtschaft des Euroraums behauptet sich trotz der anhaltenden Krise an der Straße von Hormus. Von Juli bis September stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorläufigen Berechnungen um 0,4% gegenüber dem Vorquartal. Detaillierte Angaben liegen noch nicht vor. Die bislang verfügbaren Länderdaten deuten darauf hin, dass die privaten und staatlichen Konsumausgaben das Wachstum gestützt haben. Die Investitionen dürften dagegen einen negativen Wachstumsbeitrag geleistet haben. Auch der Impuls von den Exporten dürfte sich abgeschwächt haben.
Die vier großen Mitgliedsländer entwickelten sich unterschiedlich. Das BIP stieg in Spanien um 0,6% und in Deutschland um 0,2%. In Italien stagnierte die Wirtschaftsleistung, während das französische BIP leicht um 0,1% zurückging. Die meisten kleineren Länder verzeichneten ein positives Quartalsergebnis. Die irische Wirtschaft wuchs erneut kräftig: Das BIP legte gegenüber dem Vorquartal um 5,5% zu und steuerte damit rund die Hälfte zum Gesamtwachstum des Euroraums bei. Allerdings sind die irischen BIP-Daten außerordentlich volatil.
Insgesamt erweist sich die Wirtschaft des Euroraums trotz der Hormus-Krise und steigender Energiepreise als robust. Die deutsche Wirtschaft überraschte trotz Dürre und niedriger Rheinpegel positiv. Gestützt wurde das Wachstum durch steigende Konsumausgaben, zu denen wohl vor allem der Staatskonsum beitrug. Spanien verzeichnet weiterhin solides Wachstum. Die anhaltend hohen Energiepreise dürften den Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise im Euroraum in den kommenden Monaten aufrechterhalten und das Wachstum etwas bremsen. Eine Rezession im Euroraum halten wir aufgrund der positiven Grunddynamik und zuletzt aufgehellter Stimmungsindikatoren jedoch für unwahrscheinlich.
Sorgen bereitet dagegen die französische Wirtschaft: Nach einem Rückgang im ersten Quartal und Stagnation im zweiten Quartal schrumpfte sie im dritten Quartal erneut. Die Unsicherheit über die künftige Regierungsbildung, die ungeklärte Haushaltslage und steigende Zinslasten belasten die Wirtschaft.
Dr. Christoph Swonke

