Lizenz zum Geld überweisen: Agenten als neue Bedrohung für Banken?

Die in den letzten Wochen von verschiedenen Anbietern vorgestellten KI-Agenten für die private Nutzung könnten sich negativ auf die Profitabilität der Banken auswirken, wenn deren Kunden mithilfe der Agenten ihre unverzinsten Einlagen aktiver verwalten. Kurzfristig sehen wir die Banken gut geschützt gegen die steigende Verbreitung von KI-Agenten, mittelfristig besteht aber durchaus das Risiko steigender Refinanzierungskosten.

 

 

Bis vor kurzem galten Banken eher als KI-Gewinner, da KI Effizienzgewinne zu ermöglichen scheint. Ob diese perspektivisch wirklich zu niedrigeren Kosten führen werden, und wenn ja, wie hoch der Rückgang ausfallen wird, bleibt abzuwarten.

 

Mit der Vorstellung der für die private Nutzung einsetzbaren KI-Agenten Muse und Dots von Meta bzw. ChatGPT sind Befürchtungen aufgekommen, dass Banken von der weiteren Verbreitung von KI negativ betroffen sein könnten.

 

Muse & Co. können die Nutzer bei verschiedenen Aufgaben wie beispielsweise dem Online-Kauf von Produkten, dem Buchen von Reisen, der Verwaltung von Zeitschriftenabonnements und Mitgliedschaften und bei Bankgeschäften unterstützen.

 

Für die Banken besonders kritisch gesehen wurde in den letzten Wochen die theoretische Möglichkeit, dass Muse für seine Nutzer das Management der überschüssigen Liquidität übernehmen könnte. Laut Bundesbankstatistik lagen per Ende August mit durchschnittlich 0,51% verzinste Einlagen in Höhe von 1.936 Mrd. Euro auf deutschen Giro- und Tagesgeldkonten von Privatleuten. Diese Gelder nutzen die Banken für die Vergabe von Krediten bzw. parken überschüssige Liquidität bei anderen Banken oder bei der EZB. Beim aktuellen EZB-Zinssatz ergibt sich eine Mindestmarge von rund 2%, was einem jährlichen Zinsüberschuss von knapp 40 Mrd. Euro entspricht. Diese simple Rechnung zeigt, um welche Größenordnung es geht. Die entscheidende Frage ist, ob diese niedrig verzinsten Einlagen mit der steigenden Nutzung von KI-Agenten den Banken verloren gehen, weil die Agenten diese selbständig auf verzinste Konten verschieben und bei Bedarf wieder auf das Girokonto überweisen.

 

Kurzfristig sehen wir keine Bedrohung für die Banken, weil es dauern wird bis sich die Nutzung von KI-Agenten in der Breite durchsetzt. Mittelfristig sehen wir die Banken aufgrund der folgenden Aspekte geschützt: 1) Wir sind skeptisch, ob die Mehrheit der Menschen den Agenten Zugang zum Girokonto gewähren wird. Das würde bedeuten, dass Meta oder ChatGPT einen noch tieferen Einblick in das Leben der Menschen erhält. Außerdem ist die Frage offen, wer im Fall falscher Überweisungen haftet. 2) Die Banken werden sich so lange wie möglich dagegen wehren, den KI-Agenten Zugang zu den Konten zu gewähren. Citigroup und Bank of America haben beispielsweise bereits angekündigt, dass sie aus Sicherheitsgründen KI-Agenten keinen Zugriff auf die Konten gewähren. 3) Es ist unklar, wie die Bankenaufsicht sich positionieren wird. Eine Verschiebung von Bankeinlagen auf höher verzinste Konten würde sich c.p. negativ auf die Profitabilität der Banken auswirken und würde ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe einschränken. Wir denken nicht, dass das im Sinne der Bankenaufsicht wäre.

 

Kurzfristig sehen wir die Verbreitung von KI-Agenten nicht als gravierende Bedrohung für die Banken. Unserer Meinung nach besteht aber mittelfristig durchaus das Risiko, dass der Druck auf Banken steigen wird, auch auf unverzinste bzw. niedrig verzinste Einlagen höhere Zinsen zu zahlen.

-- Dr. Philipp Häßler