Geldpolitischer Meilenstein: Ungarische Notenbank senkt Inflationsziel
Die ungarische Notenbank senkt ihr Inflationsziel ab Anfang 2028 auf 2,5%, um die Annäherung an die EZB und den für 2030 geplanten Euro-Beitritt des Landes voranzutreiben. Begünstigt durch die aktuell niedrige Inflation und eine starke Landeswährung, bietet dieser Schritt bei erfolgreicher Zielerreichung erhebliches Aufwärtspotenzial für den Forint. Bei Zielverfehlungen drohen jedoch Vertrauens- und Kursverluste.
Die ungarische Notenbank (MNB) hat im Rahmen ihrer jüngsten Zinssitzung die Senkung ihres Inflationsziels bekannt gegeben. Ab dem 1. Januar 2028 strebt die MNB mittelfristig ein Inflationsziel von 2,5% (J/J) an. Damit liegt das künftige Inflationsziel 0,5 Prozentpunkte unter dem aktuellen von 3% (J/J), dem höchsten innerhalb der EU. Die bisherige Toleranzspanne von +/- einem Prozentpunkt um das Ziel soll laut MNB beibehalten werden. Die Senkung des Inflationsziels ist ein strategischer Meilenstein zur Vorbereitung auf den Euro-Beitritt Ungarns. Unter der Regierung von Premierminister Magyar hat sich das Land das Ziel gesetzt, die Maastricht-Kriterien bis zum Jahr 2030 zu erfüllen. Das neue Inflationsziel bringt Ungarn näher an das 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank heran und hilft laut Notenbankchef Varga dabei, die nominalen Zinsen zu senken und die Stabilität des Forints zu stärken. Da sich das ungarische Preisniveau und die Realwirtschaft in den letzten Jahren laut MNB bereits stark an den Euro-Raum angenähert haben, ist dieser Schritt aus Sicht der Währungshüter in Budapest der nächste logische Schritt der Konvergenz.
Der aktuelle Zeitpunkt für die Ankündigung dieses Schrittes erweist sich aus geldpolitischer Sicht als überaus günstig. Denn ungeachtet der weltweit massiv gestiegenen Inflationsrisiken lag die jährliche Gesamtinflation im August in Ungarn bei äußerst niedrigen 1,3% und damit weit unter dem aktuellen Zielkorridor der Notenbank. Dieser günstige Trend und die historisch niedrigen Inflationserwartungen erlauben es der Zentralbank, das Ziel relativ lautlos nach unten anzupassen. Zudem hat der Vertrauensvorschuss der Investoren in die neue Regierung eine Konvergenzrally und eine starke Aufwertung des Forints ausgelöst, was die Importpreise drastisch gesenkt und den inländischen Preisdruck verringert hat.
Für den Forint birgt diese Entscheidung im Erfolgsfall erhebliches Aufwärtspotenzial. Wird das neue Inflationsziel vom Markt als glaubwürdig eingeschätzt und hält die MNB das Leitzinsniveau vergleichsweise hoch, bleibt der ungarische Realzins im regionalen Vergleich äußerst attraktiv, was den Forint gegenüber dem Euro stärken dürfte. Steigt die Inflation jedoch entgegen den MNB-Erwartungen längerfristig wieder merklich und vor allem nachhaltig an und reißt das neue Ziel der Notenbank, droht ein empfindlicher Vertrauensverlust, der einen merklichen Abwärtsdruck auf den Forint auslösen dürfte.
-- Dr. Sandra Striffler

