Die Energiewende wird erwachsen

Die Bundesregierung will die Energiewende kosteneffizienter gestalten. Bundes­wirtschafts­ministerin Reiche verfolgt dabei vor allem das Ziel, den Ausbau der erneuerbaren Energien, der Batteriespeicher sowie Großverbraucher (unter anderem Rechenzentren) besser auf den Netzausbau abzustimmen und regional zu steuern. Die vorgesehenen Reformen enthalten unseres Erachtens allerdings keine Maßnahmen, die die Erneuerbare-Energien-Branche existenziell bedrohen würde. 

 

Das Bild zeigt ein Liniendiagramm, das den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland von 2000 bis etwa 2022 darstellt. Zusätzlich ist eine Prognose bzw. ein Zielwert bis 2030 abgetragen. Auf der y-Achse ist der Anteil in Prozent, auf der x-Achse die Jahre. Zwei Linien sind eingezeichnet: Eine zeigt die tatsächliche Entwicklung ("Ist-Werte"), die andere die angestrebten Ziele ("2030 Ziel"). Die Grafik stammt von der BDEW, Umweltbundesamt und DE BANK.

 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat zuletzt zehn wirtschafts- und wettbewerbs­freundliche Schlüsselmaßnahmen vorgestellt, deren Umsetzung die Basis für eine krisenfeste Strom-Versorgung schaffen soll. Auf dieser Grund­lage hat Bundes­wirtschafts­­­ministerin Reiche konkrete Gesetzesvorschläge für eine grundlegende Reform der bisherigen Energiepolitik ausgearbeitet und eine neue Kraftwerksstrategie auf den Weg gebracht. Gleichzeitig befindet sich die Regulierung von Strom- und Gas­netzen hierzulande in einem grundlegenden Wandel. Diese Vorhaben sind alle­samt von großer wirtschaft­licher Bedeutung für die Energieunternehmen in Deutschland.

 

Grundsätzlich sollen die erneuerbaren Energien in Deutschland weiter ausgebaut werden. Oberstes Ziel der geplanten Gesetze ist unserer Ansicht nach, die Energie­wende hierzulande kosteneffizienter zu gestalten, wobei leichte Bremsspuren bei Windkraft an Land und Photovoltaik nicht aus­zuschließen sind. Die Wirtschafts­ministerin zielt dabei mit dem vorgesehenen Netz­anschluss­paket unter anderem auf die Redispatch-Kosten ab. Diese Systemkosten für den zumeist kurzfristigen Eingriff von Netzbetreibern in die Leistung von Kraftwerken und Erzeugungs­anlagen, um Überlastungen im Stromnetz zu vermeiden und die Stabilität zu sichern, sind in der jüngeren Vergangenheit stark gestiegen. Das neue WindSeeG könnte den Ausbau bei Offshore-Wind sogar wieder beschleunigen. Darüber hinaus sollte der künftige Regulierungs­­rahmen für ein weiterhin freundliches regulatorisches Umfeld sorgen.

 

In diesem Umfeld sollten sowohl die Strom­erzeuger als auch die Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber in Deutschland ihre ambitionierten Wachstums­programme nach wie vor planmäßig umsetzen. Die ehr­geizige Investitionsoffensive eröffnet den Versorgern unverändert ein stetiges Ertragswachstum. Gleich­zeitig haben die Branchenvertreter die Verschuldung weiterhin im Blick. Vielfältige Maßnahmen wie Eigenkapitalerhöhungen und Desinvestments dürften die finanzielle Flexibilität in einem aus­reichenden Maße sicherstellen. Für Fixed-Income-Investoren sollte sich die Verschuldungs­situation bei den mittlerweile oftmals teil­staatlichen Über­tragungs- und Verteilnetzbetreibern daher weiterhin als akzeptabel darstellen.

-- Mario Kristl