Die Energiewende wird erwachsen
Die Bundesregierung will die Energiewende kosteneffizienter gestalten. Bundeswirtschaftsministerin Reiche verfolgt dabei vor allem das Ziel, den Ausbau der erneuerbaren Energien, der Batteriespeicher sowie Großverbraucher (unter anderem Rechenzentren) besser auf den Netzausbau abzustimmen und regional zu steuern. Die vorgesehenen Reformen enthalten unseres Erachtens allerdings keine Maßnahmen, die die Erneuerbare-Energien-Branche existenziell bedrohen würde.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat zuletzt zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vorgestellt, deren Umsetzung die Basis für eine krisenfeste Strom-Versorgung schaffen soll. Auf dieser Grundlage hat Bundeswirtschaftsministerin Reiche konkrete Gesetzesvorschläge für eine grundlegende Reform der bisherigen Energiepolitik ausgearbeitet und eine neue Kraftwerksstrategie auf den Weg gebracht. Gleichzeitig befindet sich die Regulierung von Strom- und Gasnetzen hierzulande in einem grundlegenden Wandel. Diese Vorhaben sind allesamt von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Energieunternehmen in Deutschland.
Grundsätzlich sollen die erneuerbaren Energien in Deutschland weiter ausgebaut werden. Oberstes Ziel der geplanten Gesetze ist unserer Ansicht nach, die Energiewende hierzulande kosteneffizienter zu gestalten, wobei leichte Bremsspuren bei Windkraft an Land und Photovoltaik nicht auszuschließen sind. Die Wirtschaftsministerin zielt dabei mit dem vorgesehenen Netzanschlusspaket unter anderem auf die Redispatch-Kosten ab. Diese Systemkosten für den zumeist kurzfristigen Eingriff von Netzbetreibern in die Leistung von Kraftwerken und Erzeugungsanlagen, um Überlastungen im Stromnetz zu vermeiden und die Stabilität zu sichern, sind in der jüngeren Vergangenheit stark gestiegen. Das neue WindSeeG könnte den Ausbau bei Offshore-Wind sogar wieder beschleunigen. Darüber hinaus sollte der künftige Regulierungsrahmen für ein weiterhin freundliches regulatorisches Umfeld sorgen.
In diesem Umfeld sollten sowohl die Stromerzeuger als auch die Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber in Deutschland ihre ambitionierten Wachstumsprogramme nach wie vor planmäßig umsetzen. Die ehrgeizige Investitionsoffensive eröffnet den Versorgern unverändert ein stetiges Ertragswachstum. Gleichzeitig haben die Branchenvertreter die Verschuldung weiterhin im Blick. Vielfältige Maßnahmen wie Eigenkapitalerhöhungen und Desinvestments dürften die finanzielle Flexibilität in einem ausreichenden Maße sicherstellen. Für Fixed-Income-Investoren sollte sich die Verschuldungssituation bei den mittlerweile oftmals teilstaatlichen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern daher weiterhin als akzeptabel darstellen.
-- Mario Kristl

