Höhere Zinsen dämpfen die Preisentwicklung am deutschen Immobilienmarkt
Während Aktien von einem Rekord zum nächsten eilen, hat sich die Erholung am Immobilienmarkt verlangsamt. Gegenwind verursachen die Konjunkturflaute und der Stellenabbau in der Industrie. Noch stärker bremsen aber die infolge des Irankriegs gestiegenen Zinsen.
Der vdp-Immobilienpreisindex zeigte in der ersten Jahreshälfte 2026, dass vor allem Gewerbeimmobilien unter den höheren Zinsen leiden. Bereits im ersten Quartal 2026 gingen die Preise von Büro- und Handelsimmobilien gegenüber dem Vorquartal zurück. Doch im zweiten Quartal weitete sich das Minus sichtbar aus. Für die höhere Anfälligkeit sind auch die getrübten Perspektiven für Gewerbeimmobilien verantwortlich. Homeoffice, KI und Konsumzurückhaltung schwächen den Flächenbedarf. Gewandelte Mieteranforderungen und Nachhaltigkeitsaspekte erfordern oftmals hohe Investitionen, um die langfristige Vermietbarkeit sicherzustellen.
Besser sieht es bei Wohnimmobilien aus. Sowohl bei Wohneigentum als auch bei vermieteten Mehrfamilienhäusern konnten die Preise im ersten und zweiten Quartal 2026 noch steigen. Das Plus gegenüber den Vorquartalen fiel jedoch mit etwa 0,3% nur noch rund halb so hoch wie 2025 aus. Die Bauzinsen sind mit aktuell knapp über 4% nicht nur vergleichsweise hoch, damit müssen zudem trotz Korrektur enorm hohe Kaufpreise finanziert werden. Dass diese überhaupt noch zulegen können, ist vor allem dem knappen Angebot durch wenig Neubau geschuldet. Außerdem verteuern die auf ein hohes Niveau gestiegenen Baukosten Neubauten und stützen so die Preise von Bestandsimmobilien. Doch real, bereinigt um die Inflation, sinken mit den niedrigen nominalen Zuwächsen auch die Preise von Wohnimmobilen.
Deutlich robuster als die Preise entwickeln sich die Mieten. Am angespannten Wohnungsmarkt ist dies wenig überraschend. Doch auch bei Gewerbeimmobilien ist das Angebot an gefragten ansprechenden Ladenflächen und modernen gut gelegenen Büros eher knapp. Dagegen sind veraltete Flächen, die aber den Leerstand prägen, kaum noch zu vermieten. Auf das Marktumfeld haben Eigentümer anders als auf die Attraktivität der Immobilie keinen Einfluss. Ohne sinkende Zinsen als Werttreiber kann die Bewertung durch niedrige Heiz- und Betriebskosten oder leerstandsenkende und mietsteigernde Maßnahmen aber positiv beeinflusst werden.
-- Thorsten Lange

