Agentic Commerce als Chance für die Zahlungsverkehrsdienstleister
Agentic Commerce steckt noch in den Kinderschuhen, aber die Verbreitung soll in den nächsten Jahren rasant zunehmen. Wir erwarten, dass die Zahlungsverkehrsdienstleister von dieser Entwicklung profitieren, da zum einen die Anzahl der Transaktionen steigen und zum anderen die Nachfrage nach Zusatzdienstleistungen wie Betrugsprävention zunehmen sollte.
Die Zahlungsverkehrsbranche steht aktuell infolge technologischer Neuerungen vor spannenden Zeiten. Neben der steigenden Verbreitung von Stablecoins ist Agentic Commerce die u.E. wichtigste Neuerung für die Branche. Agentic Commerce bezeichnet den KI-gesteuerten Kauf von Waren oder Dienstleistungen sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Dabei kaufen KI-Agenten quasi autonom im Internet ein. Der Mensch als Auftraggeber gibt dem Agenten gewisse Vorgaben (z.B. Laufschuhe, Größe 10, weiche Sohle, Farbe Schwarz, Nike oder Adidas). Dieser sucht dann im Netz nach dem Produkt, zeigt dem Menschen die Ergebnisse und kauft nach dessen Freigabe das Produkt. Der Kauf kann mehr oder weniger autonom erfolgen; aktuell beschränkt sich Agentic Commerce oft noch auf die Produktrecherche, den Kauf übernimmt dann der Mensch.
Wir sehen Agentic Commerce u.a. aus den folgenden Gründen als Chance für die Zahlungsverkehrsdienstleister: 1) Agentic Commerce wird voraussichtlich zu einer steigenden Anzahl von Bezahltransaktionen führen, da der Agent Käufe eher auf verschiedene Händler verteilen wird als der Mensch – der Agent wird immer nach dem günstigsten Angebot Ausschau halten und dann Laufsocken bzw. -hose nicht unbedingt beim gleichen Händler wie die Laufschuhe kaufen, während der Mensch das aus Bequemlichkeitsgründen eher macht. 2) Die Händler werden noch mehr Unterstützung bei der Einrichtung der Zahlungsmöglichkeiten benötigen, da z.B. die Identifizierung der Käufer noch komplexer werden wird. Anbieter, die den Händlern Agentic Commerce-kompatible Zahlungsoptionen anbieten können, werden im Vorteil sein. 3) Betrugsschutz und andere Dienstleistungen werden ebenfalls wichtiger werden. Kauft der Agent wirklich für einen Menschen ein, oder handelt es sich um Betrug? Hier müssen die Händler wirksame Schutzmechanismen implementieren. Wer haftet bei Fehlkäufen, wenn der Agent einen Fehler macht, wie läuft die Rückabwicklung von Zahlungen ab? Das sind aus Händler- bzw. Käufersicht auch im Agentic Commerce-Zeitalter wichtige Themen.
Noch ist die breite Nutzung von Agentic Commerce Zukunftsmusik, aber die Verbreitung wird in den nächsten Jahren rasant zunehmen. Schätzungen von Strategy& (PwC) gehen davon aus, dass Agentic Commerce in 2030 für 15% des europäischen E-Commerce Umsatzes steht. Die Zahlungsverkehrsdienstleister, sei es die Kreditkartenunternehmen oder die Bereitsteller der Zahlungsinfrastruktur, bereiten sich schon darauf vor und bieten ihren Kunden bereits umfangreiche Lösungen an. Auch wenn Agentic Commerce hohe Investitionen aufseiten der Zahlungsverkehrsdienstleister erfordert, sehen wir es als Wachstumstreiber für die Unternehmen an.
-- Dr. Philipp Häßler

