Der Chipmarkt zündet den „KI-Turbo“
Der globale Chipmarkt, der bereits im vergangenen Jahr einen Umsatz-Höchstwert erreichte, befindet sich auch im laufenden Jahr auf Rekordkurs. Im März hat sich die hohe Erlösdynamik weiter beschleunigt. Die spürbar anziehende Nachfrage nach leistungsstarken Prozessoren für Anwendungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) sowie nach Chips für das Hochleistungsrechnen (High Performance Computing) ist nach wie vor der wichtigste Wachstumstreiber. Dieser positive Trend wird sich unserer Meinung nach in den kommenden Jahren fortsetzen.
Laut Berechnungen des Branchenverbandes SIA (Semiconductor Industry Association) ist der weltweite Halbleiterumsatz im März 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 79,2% auf 99,5 Mrd. USD gestiegen. Dies ist der höchste jemals in einem Monat erreichte Wert. Damit hat sich die Wachstumsdynamik gegenüber den Vormonaten (Januar: +46,0%; Februar: +62,5%) noch einmal deutlich beschleunigt. Zugleich war dies der größte Zuwachs seit mehr als 25 Jahren. Seit langer Zeit trugen wieder alle Regionen zu dem Erlösanstieg bei. Dabei wies die Region Asien-Pazifik mit 108,5% das höchste Umsatzplus auf. Zuwächse gab es zudem in Amerika (+83,1%), China (+74,8%), Europa (+46,5%) und Japan (+7,4%). Im ersten Quartal 2026 lag der globale Halbleiterumsatz bei 271,3 Mrd. USD, was ebenfalls einem Bestwert entspricht. Das Umsatzplus übertraf mit 62,5% den von der Organisation WSTS (World Semiconductor Trades Statistics) für dieses Jahr in Aussicht gestellten Anstieg von rund 26,0% signifikant. Wir gehen davon aus, dass der positive Erlöstrend im Jahresverlauf anhalten wird und der „Umsatz-Meilenstein“ von einer Billion US-Dollar bereits 2026 übertroffen wird.
Wichtigster Wachstumstreiber dürfte auf absehbare Zeit die hohe Nachfrage nach Prozessoren für KI-Anwendungen und das Hochleistungsrechnen sein. Besonders begehrt dürften leistungsstarke Logik- und Speicherchips sein. Diese werden unter anderem für das Training und die Anwendung (Inferenz) von KI-basierten Sprachmodellen (Large Language Models) sowie für die Analyse und Verarbeitung großer Datenmengen eingesetzt. Mit dem verstärkten Einsatz von KI-Agenten, die komplexe Aufgaben autonom durchführen können, wächst auch der Bedarf an Zentralprozessoren (CPU), die unter anderem für die Koordination der Arbeitsabläufe und die Vor- sowie Nachbereitung der Daten verantwortlich sind. Die großen US-amerikanischen Anbieter von Rechenkapazitäten und Cloud-Dienstleistungen (Hyperscaler) haben anlässlich der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen ihre Pläne für einen massiven Ausbau der IT-Infrastruktur bestätigt oder sogar noch ausgeweitet. Wir gehen davon aus, dass die Investitionsbudgets der finanzstarken Hyperscaler in diesem Jahr signifikant steigen und dabei neue Höchstmarken erreichen werden. Ein Großteil der Ausgaben wird voraussichtlich in den Bau und die Ausrüstung von Rechenzentren fließen.
Aus unserer Sicht wird diese Entwicklung den globalen Chipmarkt auch in den kommenden Jahren beflügeln und zu neuen Umsatzrekorden führen. Dies dürfte vor allem die Entwickler und Hersteller von Grafikprozessoren (GPU), Speicherchips und Zentralprozessoren (CPU) sowie die Produzenten von Maschinen für die Fertigung, das Verpacken und das Testen von Halbleitern begünstigen.
-- Ingo Wermann

