China: Guter Start ins Jahr 2026 – Ausblick bleibt aber vorsichtig

China meldet für Q1 2026 ein robustes Wachstum von 5% und legt damit eine gute Grundlage für ein solides Ergebnis auch im Gesamtjahr 2026. Die Folgen des Iran-Kriegs dürften die chinesische Wirtschaft weniger belasten als andere Volkswirtschaften. Trotzdem bleiben wir für den Wachstumsausblick vorsichtig.

 

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme in Bezug auf China:

1. **Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von China:** 
   - Ein Liniendiagramm zeigt die jährliche Veränderung des BIP (BIP J/J) und die quartalsweise Veränderung des BIP (BIP Q/Q) von 2022 bis 2023.
   - Die Werte schwanken zwischen 2% und 6%.

2. **Energieverbrauchsanteile verschiedener Regionen:** 
   - Ein gestapeltes Säulendiagramm zeigt die Energieverbrauchsanteile von Öl, Gas, Kohle, Atom und erneuerbaren Energien in Prozent.
   - Die Regionen sind Welt, USA, Europa, und China.
   - China hat einen hohen Kohleverbrauch (55%) und einen signifikanten Anteil an erneuerbaren Energien (9%).

 

 

Einmal mehr wartet China mit bemerkenswert robusten Wachstumszahlen auf – allen aktuellen Widrigkeiten zum Trotz. Zum Jahresauftakt hat die chinesische Wirtschaft den offiziellen Angaben zufolge an Schwung gewonnen: Im Quartalsvergleich legte das Wirtschaftswachstum leicht von 1,2% in Q4 2025 auf 1,3% in Q1 2026 zu (jeweils Q/Q). Auf das Jahr hochgerechnet entspricht dies immerhin einem Wachstum von über 5%. Für die Vorjahresrate wird ebenfalls eine Fünf vor dem Komma gemeldet (5,0% J/J) – eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem abgeschwächten Wachstum von 4,5% im Schlussquartal 2025.
 

Der Außenhandel erwies sich im zurückliegenden Quartal erneut als wichtigste Wachstumssäule, wobei allerdings die Exportwirtschaft zum Jahresbeginn wesentlich von saisonalen Effekten des in diesem Jahr relativ späten Neujahrsfestes profitierte. Dadurch waren die saisontypischen Vorzieheffekte im Januar und Februar ausgeprägter. Gezeigt hat sich dies unter anderem in Exportzuwächsen von über 20% (J/J). Die Kehrseite ist jedoch ein deutlicher Rückschlag im März. Hier konnten die Ausfuhren kaum noch gegenüber dem Vorjahr zulegen, was sich aber rein statistisch stärker im BIP-Wachstum des laufenden Quartals niederschlagen wird.

Iran-Krieg belastet – China aber weniger abhängig von Energielieferungen vom Golf

Aber auch der Ausbruch des Iran-Kriegs hat im März erste Spuren in der chinesischen Handels- und damit Wachstumsbilanz hinterlassen. Chinas Energieimporte haben sich mit dem deutlichen Preisanstieg stark verteuert und die Einfuhren aufgebläht. Gleichzeitig hat Peking die Ausfuhr von weiterverarbeiteten Energieprodukten beschränkt, um die eigene Versorgung zu sichern, womit die Exporte gedrosselt wurden. Der weitere Ausblick für Chinas Exportkonjunktur hat sich vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise ebenfalls eingetrübt. Die absehbar deutlich schwächere Nachfrage auf den wichtigen Absatzmärkten in Asien und Europa dürfte Chinas Exporterfolge bremsen. Auch werden chinesische Unternehmen aufgrund der höheren Energiekosten ihre Produkte nicht mehr so günstig anbieten können wie bislang.

Insgesamt dürfte die chinesische Wirtschaft von den Folgen des Iran-Kriegs jedoch weniger stark getroffen werden als andere Volkswirtschaften in Asien, die stark von den Energielieferungen aus der Golfregion abhängig sind. China ist zwar der größte Abnehmer von den Öl- und Gasexporten der Golfstaaten, ist aber in seinem Energiemix immer noch sehr stark auf Kohle konzentriert (s. Grafik), die zu etwa 90% aus eigenem Abbau stammt. Außerdem erhält China zu einem wesentlichen Teil Öl und Gas aus Russland bzw. den GUS-Staaten, hat seine Energieversorgung also stärker diversifiziert und darüber hinaus hohe Reserven, insbesondere von Rohöl, angelegt.

 

Mit dem robusten Ergebnis vom ersten Quartal hat die chinesische Wirtschaft eine gute Grundlage für ein solides Wachstum im Gesamtjahr 2026 gelegt, auch wenn die Wachstumsraten im weiteren Jahresverlauf wohl wieder deutlich nachgeben werden. Wir haben unsere Wachstumsprognose für China – anders als für die meisten anderen Volkswirtschaften unserer Coverage – aufgrund der Folgen des Iran-Kriegs nicht abgesenkt, sondern haben den ohnehin vergleichsweise vorsichtigen Wachstumsausblick von 4,3% für dieses und 4,0% für das kommende Jahr beibehalten. Unsere generell zurückhaltende Einschätzung hängt insbesondere mit der anhaltenden Schwäche der Binnennachfrage in China als Folge der anhaltenden Krise im Immobiliensektor zusammen, für die es auch mit der aktuellen Datenveröffentlichung immer noch keine Lichtblicke gibt.

 

-- Monika Boven