Rohöl und der Iran: Neue Fronten im Ölkrieg

Nach gut fünf Wochen Krieg hat sich die Unsicherheit am Ölmarkt verfestigt. Angebotsrisiken und politische Rhetorik geben den Ton an. Die drohende Ausweitung des Konflikts auf die Meerenge Bab al-Mandab und die Insel Kharg könnte die Versorgungskrise weiter verschärfen. Das Risiko einer weiteren Eskalation bleibt demnach zwar erhalten, auf Sicht von drei Monaten erwarten wir jedoch eine moderate Beruhigung.

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme, die den Rohölmarkt und die Preisentwicklung von Rohöl darstellen.

1. Links wird der Zusammenhang zwischen dem Rohölpreis (in USD pro Barrel) und der historischen Volatilität bis April dargestellt. Es wird darauf hingewiesen, dass Luftangriffe der USA und Israel gegen Teheran zu einer starken Preisbewegung geführt haben.

2. Rechts wird der Rohölpreis (in USD pro Barrel) mit Prognosen von 2022 bis 2027 gezeigt. Es wird angezeigt, wie der Preis zunächst auf einem erhöhten Niveau ist, jedoch abwärtsgerichtet ist.

 

Fünf Wochen nach Beginn der „Operation Epic Fury“ ist der Rohölmarkt weiterhin von hoher Volatilität und Unsicherheit geprägt. Der Preis der Referenzsorte Brent notiert weiterhin auf einem spürbar erhöhten Niveau und unterliegt starken Schwankungen. Als wesentliche Ursachen gelten die anhaltende Blockade der Straße von Hormus und die militärischen Auseinandersetzungen, durch die die Energieinfrastruktur in der Golfregion gefährdet wird.

 

Zusätzlich zu den bestehenden Risiken droht sich der Konflikt auf zwei neue Fronten auszudehnen, was die globale Versorgungskrise weiter verschärfen könnte. Zum einen besteht das Risiko einer Konfliktausweitung auf die Meerenge Bab al-Mandab, durch die rund 6% des weltweiten Ölhandels transportiert wird. Würde der Schiffsverkehr durch die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen gestört, wären Tanker gezwungen, alternative Routen zu nutzen, was zu erheblichen Verzögerungen und höheren Transportkosten führen würde. Dies würde insbesondere die Versorgung europäischer Märkte beeinträchtigen.

 

Zum anderen stellt ein möglicher US-Angriff auf die iranische Insel Kharg eine neue Bedrohung dar, wickelt Teheran über die Insel doch rund 90% seiner Ölexporte ab. Ein Übernahmeversuch könnte nicht nur 1,5% des weltweiten Ölangebots vom bereits angespannten Markt nehmen, sondern auch das Risiko eines regionalen Flächenbrandes durch Vergeltungsmaßnahmen des Irans steigern. Die aggressive Rhetorik aus Washington und Teheran – insbesondere die Drohungen von US-Präsident Trump – heizen die Anspannung zusätzlich an und verhindern eine Deeskalation.

 

Aufgrund der nachhaltigen Schäden an der Infrastruktur ist eine schnelle Rückkehr des Ölpreises auf das Vorkriegsniveau ausgeschlossen. Wir erwarten, dass der Brent-Preis kurzfristig bei 90 US-Dollar verharrt, bevor er sich mittelfristig auf 80 US-Dollar und langfristig auf 70 US-Dollar entspannt. Das Risiko einer drastischeren Eskalation bleibt jedoch bestehen und könnte die Preise kurzfristig auf über 120 US-Dollar je Barrel treiben.

-- Linda Yu