US-Autozölle: Vorgeschmack auf den „Liberation Day“
Donald Trump geht im Zollkonflikt weiter auf Konfrontationskurs. Nun hat er spürbare Zölle auf Autoimporte angekündigt. Das dürfte sowohl die autoexportierenden Länder als auch die US-Verbraucher schmerzen.

Donald Trump schwingt weiter den Zollhammer: Ab dem 3. April will er Zölle auf importierte Autos und kleine Transportfahrzeuge erheben. Bis zum 3. Mai sollen die Zölle auch noch auf wichtige Autoteile ausgeweitet werden. Es gibt nur ein Zugeständnis, das er wohl vor allem zum Schutz der heimischen Autoindustrie macht: Bei Autos, die im Rahmen des nordamerikanischen Freihandelsabkommen (USMCA) gehandelt werden, kann die Zolllast reduziert werden. Denn wenn Hersteller nachweisen können, dass die aus Mexiko oder Kanada importierten Autos Teile aus den USA enthalten, sollen diese Teile von den Zöllen ausgenommen werden. Die Zölle fallen dann nur auf den Nicht-US-Inhalt der Autos an.
Die neuen Zölle sollen die Automobilproduktion in den USA attraktiver machen und die Importe reduzieren. Im vergangenen Jahr haben die USA Autos und Kleintransporter im Wert von etwa 217 Mrd. US-Dollar importiert. Die meisten Importwagen wurden dabei aus Mexiko, Japan und Kanada bezogen. Aus Deutschland stammten rund 11% der von den USA importierten Autos.
Die Zölle treffen also vor allem Exportnationen mit großer Automobilproduktion wie Deutschland. Im vergangenen Jahr waren die USA für die deutschen Exporteure insgesamt der wichtigste Absatzmarkt mit einem Exportanteil von 10,4% an allen deutschen Exporten. Dabei macht der Bereich der Autoexporte einen erheblichen Anteil im bilateralen Handel aus. Gemäß der Comtrade-Datenbank belief sich der Export von Automobilen und Autoteilen in die USA im Jahr 2023 zusammen auf gut ein Fünftel aller deutschen Exporte in die USA.
Ein Importzoll von 25% stellt eine erhebliche Belastung für die deutsche Autoindustrie dar. So hohe Zölle wird die ohnehin angeschlagene Industrie in Deutschland nicht ohne weiteres wegstecken können. Exporteinbußen auf dem US-Markt sind damit nicht mehr ausgeschlossen. Damit aber nicht genug, denn Donald Trump hat mehrmals angekündigt, am 2. April, den er schon als „Liberation Day“ bezeichnet, weitere Zollanhebungen zu verkünden. Dabei dürfte es sich vor allem um die im Raum stehenden „reziproken“ Vergeltungszölle handeln, die Trump als Bestrafung für hohe Zölle auf US-Waren gegen andere Nationen verhängen will. Und selbst dies dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn es werden neben dem Kfz-Bereich auch noch 25-prozentige Zölle auf weitere Produktbereiche wie etwa pharmazeutische Güter und Medikamente oder auf die gesamten EU-Exporte thematisiert.
Natürlich stellen Trumps Zölle aber auch für die US-Wirtschaft ein großes Risiko dar. Das Konsumklima hat sich bereits deutlich abgekühlt und eine weitere Stimmungseintrübung droht, wenn die Inflation in den USA einen neuen Schub durch die Zölle erhält. Durch die Autozölle stehen den US-Verbrauchern wohl nicht nur höhere Neuwagenpreise, sondern auch höhere Gebrauchtwagenpreise bevor. Schließlich dürfte die Nachfrage nach vergleichsweise günstigen gebrauchten Autos deutlich steigen. Damit dürften für viele Verbraucher schnell schmerzhafte Erinnerungen an die hohen Preissteigerungen im Gebrauchtwagensegment aus den Pandemiejahren aufkommen, als Lieferkettenprobleme die Nachfrage nach Gebrauchtwagen erheblich steigerten.
Insofern besteht die Möglichkeit, dass sich Trump letztlich doch als „Dealmaker“ erweist, und nach Verhandlungen mit den Handelspartnern bei den Zöllen zumindest teilweise zurückrudert. Vorerst warten aber alle erst einmal auf den 2. April, wenn das nächste Kapitel im Zollstreit aufgeschlagen wird.
-- Alexander Buhrow, Dr. Christoph Swonke, Ole Drabner