Outside-In: Ein Blick auf ESG-Risiken in den Branchen

ESG-Risiken sind spätestens seit dem Jahr 2019 aus dem BaFin-Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken bekannt. Die BaFin betrachtet diese als Treiber traditioneller Risikodimensionen wie Adressenausfall-, Liquiditäts-, Marktpreis- und operationelles Risiko. Seit Inkrafttreten der 7. Novelle der MaRisk am 29. Juni 2023 müssen Banken ESG-Risiken explizit im Kreditvergabe- und Überwachungsprozess berücksichtigen.

 

 

Bei der Diskussion über Nachhaltigkeit gibt es im Wesentlichen zwei Perspektiven: Die Inside-Out-Perspektive betrachtet die Wirkungen eines Unternehmens auf Nachhaltigkeitsaspekte, wie Umwelt, Klima und Gesellschaft. Bei der Outside-In-Perspektive liegt der Fokus auf den Auswirkungen von ESG-Aspekten auf das Unternehmen. Sie konzentriert sich vor allem auf die Risiken und potenziellen finanziellen Folgen, die in dieser Branchenanalyse behandelt werden.

 

Finanzielle Risiken ergeben sich auf der Kostenseite zum Beispiel durch Investitionsbedarf, Kosten der Regulierung, Abschreibungen auf „Stranded Assets“ oder einer teureren Refinanzierung. Auf der Umsatzseite kann der Verlust von Kunden und/oder Marktanteilen negative Folgen haben.

 

Die BaFin definiert ESG-Risiken als Ereignisse oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, die erhebliche Folgen für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens sowie für seine Reputation haben können.

 

Eine Analyse auf Basis einer qualitativen und subjektiven Einschätzung unserer Analysten zeigt unter anderem, dass Emissionen und Energieverbrauch in vielen Branchen wichtig sind. Regulatorische Vorgaben spielen dabei eine große Rolle. Es gibt auch soziale Risiken, die jedoch nicht unmittelbar mit ESG in Verbindung gebracht werden. Branchen im B2C-Bereich müssen sich mit veränderten Verbraucherpräferenzen auseinandersetzen. Die IT-Risiken sind gestiegen, da die Digitalisierung alle Bereiche der Wirtschaft betrifft. Unsere Analyse zeigt auch, dass Governance-Risiken besonders relevant sind, wenn komplexe Lieferketten verwaltet werden müssen oder ein großer Teil der Wertschöpfung in Ländern mit niedrigen Standards stattfindet.

 

Ein Beispiel für ein soziales ESG-Risiko ist die Veränderung der Konsumpräferenzen und die rückläufige Nachfrage nach herkömmlichen Tabakprodukten. Dieses soziale Risiko führt zu finanziellen Schäden, da Tabakunternehmen gezwungen sind, auf potenziell risikoreduzierte Produkte wie E-Zigaretten oder Vapes umzusteigen. Infolgedessen musste der britische Tabakhersteller BAT Wertberichtigungen in Höhe von 25 Mrd. GBP für bestehende Zigarettenmarken vornehmen.

 

-- Aristotelis Moutopoulos


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