Automobilhersteller: Die ESG-Perspektive

Der Automobilsektor steht als „Klimasünder“ nicht selten im Zentrum von ESG-Debatten. Angesichts des offensichtlichen Facettenreichtums der Thematik ist eine Fokussierung auf wesentliche Faktoren notwendig.
 

Nachhaltigkeitsthemen sind für die Unternehmen der Branche längst von zentraler Bedeutung – und das in vielerlei Hinsicht. Im Rahmen unserer Studie „Automobilhersteller: Die ESG-Perspektive“ haben wir verschiedene relevante ESG-Blickwinkel für die im (Credit-)Research betrachteten Automobilkonzerne eingenommen.

 

Angesichts der CO2-Intensität und einer deutlich strenger werdenden Regulatorik dominieren in der Automobilbranche vor allem umweltbezogene Risiken. Soziale Unsicherheitsfaktoren könnten im Zuge der technologischen Transformation aber zunehmen. Governance-Risiken sind in der Regel unternehmensspezifischer Natur und nicht selten Nährboden für kritische Entwicklungen in den Bereichen „E“ und „S“. Auch in der ESG-Berichterstattung der Konzerne spiegelt sich die Dominanz des „E“-Faktors wider. Unterschiedliche Definitionen von Zielgrößen sowie zum Teil (noch) fehlende Standards erschweren aber die Vergleichbarkeit der Ambitionsniveaus. Dennoch ist festzuhalten, dass sich hinsichtlich der Reduktion von Scope 1 & 2-Emissionen schnelle Erfolge abzeichnen. Die Minderung des Scope 3-Ausstoßes stellt eine weitaus größere Herausforderung dar und erfordert unter anderem verstärkte Anstrengungen entlang der Lieferketten.

 

Das Thema „Sustainable Finance“ hat bei Automobilunternehmen zuletzt an Bedeutung gewonnen, obschon der Anstieg des Emissionsvolumens nachhaltiger Anleihen vor allem auf einzelne Emittenten zurückzuführen war. Im Sektorvergleich werden „grüne“ Anleihen in der Autobranche recht häufig zur Refinanzierung genutzt. Die meisten der betrachteten Unternehmen haben entsprechende Frameworks ausgearbeitet. Neben Produktions- und F&E-bezogenen Assets fanden sich hier zuletzt auch zunehmend Finanzierungstätigkeiten von E-Fahrzeugen als zulässiger Verwendungszweck wieder.

 

Sowohl der Blick auf die Einbeziehung von ESG-Elementen bei den Ratingagenturen als auch auf das DZ BANK Gütesiegel für Nachhaltigkeit zeigt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, sich dem Thema zu nähern und eine Einordnung vorzunehmen. Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass es nicht den absolut nachhaltigen Emittenten gibt, sondern angesichts der Komplexität der Thematik eine relative Betrachtung zielführender erscheint, deren Ergebnisse auch von der Schwerpunktsetzung abhängen.

 

--- Markus Roß


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