Aktienindizes: Prognoseanhebung, „weil die Welt einfach nicht untergehen will!“

Trotz Kursrally bleiben Aktienbewertungen von Konjunkturrisiken belastet. Wir sehen hier weiteres Kurspotenzial bis hin zu neuen Höchstständen, S&P 500 bis 4.800, DAX bis 17.500 Punkte.

 

 

Trotz der diesjährigen überregionalen Kursrally ist noch kein echtes Anlegervertrauen in der breiten Unternehmenslandschaft angekommen. In Europa sind die Indexstände ausschließlich mit realisierten Unternehmensgewinnen gestiegen, während in den USA infolge des KI-Booms eine knapp 30%-ige Bewertungsausweitung (KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis) des dominanten Tech-Sektors der Performance-Treiber war. Weder die europäische Unternehmenslandschaft noch der S&P 500 „ex Tech“, der eher die US-Realwirtschaft abbildet, erfuhren im Jahresverlauf netto eine Bewertungsausweitung. Anleger sind somit bei Aktienkäufen zwar großzügig, aber dennoch auf Sicht gefahren. Mit Kursgewinnen wurden nur direkte und greifbare Ergebnisse belohnt, zukünftige Ertragserwartungen spiegeln weiterhin Konjunktursorgen wider. Genau hier sehen wir jedoch zusätzliches Kurspotenzial.

 

Eine Verlangsamung der globalen Konjunktur ist zwar nicht zu verleugnen. Allerdings wird auch in der aktuellen Berichtssaison wieder deutlich, dass das Wirtschaftsumfeld nur einen begrenzten (negativen) Einfluss auf die Ergebnisse der großen gelisteten Aktiengesellschaften hat. Ein Effekt, der schon in den vergangenen Quartalen zu beobachten war. Während „Volumen“-Produkte teilweise Rückgänge verzeichnen, berichten „Premium“-Segmente von einer robusten Nachfrage und positiven Ausblicken. Dies wird aktuell wieder deutlich bei den Auto- und Luxusherstellern und hier verstärkt in den „Sorgen-Regionen“ USA und China, den Hauptabsatzmärkten der europäischen Blue Chips. Für unsere Prognose unterscheiden wir daher klar zwischen Heimatstandort und Endkundenmarkt der Unternehmen sowie in den Endkundenmärkten selbst zwischen der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und der Nachfrage der wirklich relevanten Kundengruppen. Bei robusten Arbeitsmärkten erwarten wir, dass die relevanten Endkunden weiterhin kauffreudig bleiben. Wir erhöhen unser Jahresendziel für den DAX auf 17.000 Punkte, für den Euro Stoxx 50 auf 4.600 Punkte. Zur Jahresmitte 2024 sehen wir den DAX bei 17.500 Punkten und den Euro Stoxx 50 bei 4.700 Punkten.

 

Seit Mai bescherte der KI-Boom der US Tech-Branche und damit auch dem gesamten S&P 500 mehr als die Hälfte der diesjährigen Kurs-Performance und der zugehörigen KGV-Ausweitung. Vor dem Hintergrund der enormen Ertragspotenziale, die sich durch KI für die Gesamtwirtschaft im Allgemeinen und für den Tech-Sektor im Speziellen eröffnen, erachten wir diese Werte als realistisch und sehen daher die Kurs- beziehungsweise Bewertungsentwicklung von US-Tech und S&P 500 als fundamental gerechtfertigt an. Ferner unterstellen wir einen Fortgang dieses Trends, da Implementierungsmöglichkeiten von KI weiter erkundet und bewertet werden. Wir prognostizieren einen Indexstand von 4.800 Punkten für den S&P 500 sowohl zum Jahresende 2023 als auch zur Jahresmitte 2024.

-- Sven Streibel


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