USA: Anhaltend hoher Lohndruck setzt Fed weiter unter Druck

Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse ist im August erneut kräftig gestiegen und das Lohnwachstum blieb hoch. Die Fed dürfte daher noch intensiver über einen Zinsschritt von 75 Basispunkten diskutieren.

 

 

Der US-Arbeitsmarkt hält sich im Spätsommer robust. Die Unternehmen berichteten im August von einem kräftigen Anstieg der Zahl der Beschäftigungsverhältnisse gegenüber dem Vormonat um 315.000. Das Stellenplus fällt damit zwar deutlich kleiner als im Juli (+526.000), aber immer noch sehr groß aus. Besonders viel zusätzliches Personal stellten erneut vor allem die Dienstleister ein (+263.000). So entfielen die größten Beschäftigungszuwächse auf den Einzelhandel, private Gesundheitsdienstleistungen und sonstige Dienstleistungen. Aber auch im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Zahl der Beschäftigten um 22.000 gegenüber dem Vormonat deutlich an. Die Arbeitslosenquote legte trotz des Beschäftigungswachstums gegenüber Juli um 0,2%-Punkte auf 3,7% zu, weil sich wieder deutlich mehr erwerbsfähige Personen um einen Job bemühten, aber nicht direkt fündig wurden.

 

Für die Konjunktur ist der anhaltende Beschäftigungsaufbau positiv, denn er stützt den Konsum. Die Fed dürfte den jüngsten Arbeitsmarktbericht aber kritisch sehen: Eine deutliche Abkühlung des Arbeitsmarktes ist noch nicht zu beobachten. Die Arbeitskräftenachfrage ist scheinbar ungebrochen groß. Sollte der Arbeitskräftemangel aber akut bleiben, wird auch der Lohndruck auf absehbare Zeit nicht spürbar nachlassen – und darin liegt ein großes Risiko für eine permanent erhöhte Inflation. Im August lag der durchschnittliche nominale Arbeitslohn in der Privatwirtschaft um 5,2% höher als im Vorjahresmonat. Das Lohnwachstum ist damit genauso hoch geblieben wie im Juni und Juli. Der Arbeitsmarktbericht setzt die Fed daher unter Druck, die Geldpolitik deutlich zu straffen und intensiv über einen Zinsschritt von 75 Basispunkten im September zu diskutieren.

 

Aufgrund der Leitzinserhöhungen durch die Notenbank und der starken Teuerung gehen wir davon aus, dass die US-Wirtschaft im Winterhalbjahr 2022/23 in eine milde Rezession abgleiten wird. Dies dürfte auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorbeigehen. Noch scheint die Sorge der Unternehmen, bei der Personalsuche leer auszugehen, größer zu sein als die Befürchtung, mit einer zu großen Belegschaft in einen Konjunkturabschwung zu laufen. Die Erfahrung aus vergangenen Wirtschaftskrisen zeigt aber, dass die Unternehmen schnell von Neueinstellungen zu Entlassungen umschalten, wenn die Nachfrage von Kundenseite deutlich nachgibt. In ein paar Monaten könnte dies der Fall sein. Die Arbeitslosenquote sollte dann weiter zunehmen und dürfte kurzzeitig bei 5 bis 6% liegen. Im Vergleich zu anderen Rezessionsphasen wäre dies ein moderater Anstieg.

-- Alexander Buhrow


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