USA: Kein rasches Ende der hohen Inflation

Der enorme Preisdruck in den USA dürfte noch einige Monate anhalten. Erst wenn die US-Wirtschaft tatsächlich in eine Rezession abgleitet, wird der Preisdruck wohl merklich nachlassen.

 

 

Die Preise in den USA steigen derzeit rasend schnell. Schon in den letzten Monaten ist die Inflationsrate auf ein 40-Jahres-Hoch geklettert. Im Juni legte die Teuerungsrate gegenüber dem Vormonat nochmals spürbar zu. Inzwischen beläuft sich die Inflation auf 9,1%.

 

Aktuell ist bei nahezu allen Gütern und Dienstleistungen eine starke Teuerung zu spüren. Im Juni waren es aber vor allem die Energiepreise, die gegenüber Mai nochmal für einen Inflationsschub sorgten. So legten besonders die Benzinpreise kräftig zu. Dafür ist zum einen der zwischenzeitlich sehr hohe Weltmarktpreis für Rohöl verantwortlich. Zum anderen gibt es aber wohl auch große Kapazitätsprobleme bei den Öl-Raffinerien, wodurch die Ausweitung des Benzin-Angebots stockt.

 

Die Dienstleistungspreise befinden sich zwar seit Monaten im Aufwind. Hohe Lohn- und Materialkosten setzten die Dienstleister unter Druck, ihre Preise anzuheben. Außerdem legen die Mieten deutlich zu, was eine Folge der hohen Immobilienpreise ist. Die Kerninflationsrate, die die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise ausklammert, gab in den letzten Monaten auf hohem Niveau jedoch etwas nach: Im März stand sie noch bei 6,5%, im Juni dagegen bei 5,9%. Ein preisbremsender Sonderfaktor ist hierbei die Entwicklung der Gebrauchtwagenpreise, die knappheitsbedingt im vergangenen Frühjahr und Sommer emporschossen. Inzwischen steigen diese aber nicht mehr so kräftig, weil sich die Angebotslage wieder etwas verbessert hat. Die Jahresteuerungsrate bei Gebrauchtwagen hat in den letzten Monaten rapide nachgelassen – von über 40% zu Anfang 2022 auf rund 7% im Juni.

 

Insgesamt wird die Inflationsrate in den kommenden Monaten voraussichtlich auf sehr hohem Niveau bleiben. Erst im Winter dürfte die Teuerungsrate mehrere Monate in Folge spürbar abwärts tendieren, denn wir gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft auf eine Rezession im ersten Halbjahr 2023 zusteuert. Diese dürfte preisdämpfend wirken.

-- Alexander Buhrow


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