Neue Konjunkturprognosen: Getrübter Ausblick für die USA und die EWU

Die Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Gemengelage aus hoher Inflation, restriktiver Geldpolitik, Ukraine-Krieg und Lieferkettenproblemen. Wir haben unsere Konjunkturprognosen für 2023 deutlich gesenkt.

 

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges in der Ukraine bleibt Wunschdenken. Wir rechnen nun damit, dass die Kämpfe bis ins nächste Jahr hinein andauern könnten. Für die Weltwirtschaft bedeutet das vor allem, dass die starke Teuerung bei diversen Rohstoffen und allen voran bei Energieträgern vorerst anhalten wird.


Für die Konjunktur werden die kräftigen Preisanstiege zunehmend zu einem Belastungsfaktor. Besonders die hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflationsrate im Euro-Raum zuletzt auf ein neues Rekordniveau von über 8% gehoben. Dadurch sinkt die Kaufkraft der Haushalte und der Gegenwind für die Wirtschaft nimmt zu. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Probleme in China, die durch Pekings Festhalten an der Null-Covid-Politik entstanden sind. Damit gehen neue globale Lieferkettenprobleme einher, unter denen besonders die deutsche Exportwirtschaft leidet. Für die Euro-Wirtschaft ist die derzeitige Lage sehr schwierig.


In den USA ist die wirtschaftliche Situation aktuell dagegen noch gut. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung wohl deutlich gewachsen. Die kräftigen Beschäftigungsgewinne und die hohen Ersparnisse der Verbraucher stützen derzeit den Konsum. Doch auch in den USA ziehen am Konjunkturhimmel allmählich dunkle Wolken auf. Die nun schon seit Monaten deutlich erhöhte Inflation nagt an den Realeinkommen der Verbraucher und die Unternehmen müssen aufgrund der aggressiven Leitzinserhöhungen der Fed mit höheren Finanzierungskosten zurechtkommen. Ihre Investitionstätigkeit werden sie wohl herunterschrauben. Die Wahrscheinlichkeit einer „harten Landung“ der US-Wirtschaft ist aus unserer Sicht deutlich gestiegen, auch wenn wohl noch einige Monate vergehen werden, bis der Effekt der restriktiven Geldpolitik auf die Realwirtschaft voll durchschlägt. Die Aussichten für die Wirtschaft sind damit erst einmal getrübt, wir haben unsere Konjunkturprognosen insbesondere für 2023 deutlich gesenkt.  


Am Horizont gibt es aber auch Lichtblicke. Kommendes Jahr dürften die Inflationsraten in den meisten Ländern deutlich niedriger ausfallen als aktuell. Dadurch werden die Belastungen für die Haushalte wieder abnehmen, wodurch der Konsum gestärkt werden sollte. Wir rechnen mit einer konjunkturellen Erholung in den USA und in Europa im zweiten Halbjahr 2023. 


-- Alexander Buhrow


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Anzahl Kommentare: 2

Alfred König

21.06.2022 um 13:54

Eine konjunkturellen Erholung in den USA und in Europa im zweiten wird im Halbjahr 2023 erwartet. Welchen konkreten Anhaltspunkt gibt es hierfür ? Rechnet man damit, dass die Lieferketten - Problematik beseitigt ist und dass durch den Abschwung der Ölpreis nachlässt und somit auch die Inflation sich verringert ?

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Dr. Christoph Swonke

22.06.2022 um 14:10

Hallo Herr König, vielen Dank für Ihre Nachricht! Im Verlauf des Prognosezeitraums dürfte die Lieferkettenproblematik an Schärfe verlieren. Dazu werden wohl eine Normalisierung der Handelsströme als auch die Umstrukturierung/Neugestaltung der Lieferketten auf Unternehmensebene beitragen. In Europa und Deutschland dürfte dies in der Industrie ein Abarbeiten der hohen Auftragspolster ermöglichen. Der Preis für Rohöl wir im kommenden Jahr nicht weiter steigen und damit zu einer Entlastung bei den Inflationsraten beitragen. Die Inflationsraten dies- und jenseits des Atlantiks werden 2023 im Vergleich zur Vorkrisenzeit höher ausfallen, aber die historisch hohen Niveaus aus 2022 wieder unterschreiten. Damit lässt auch die Belastung für den privaten Konsum nach.

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