Südafrika: Korruptionsdschungel lässt Konjunktur nur wenig Raum

Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft Südafrikas leicht stärker als erwartet. Insgesamt ist der Ausblick für die Konjunktur jedoch eher verhalten. Korruption beherrscht wieder verstärkt die Schlagzeilen.

 

 

In den drei ersten Monaten dieses Jahres konnte die südafrikanische Wirtschaft ihren Output um 1,9% gegenüber dem Vorquartal steigern. Wachstumstreiber waren vor allem der private Konsum und die Exporte, die ihre Erholung vom corona-bedingten Einbruch fortsetzten. Erste realwirtschaftliche Indikatoren weisen jedoch darauf hin, dass der konjunkturelle Schwung im laufenden Quartal nicht gehalten werden konnte. So sank die Industrieproduktion im April um 5,4%, das Niveau vom Vorjahresmonat wurde dadurch deutlich unterschritten. Sehr negativ überraschte dabei der Bergbau, der die Lücke beim 12-Monats-Vergleich noch deutlich ausbaute. Gegenüber April 2021 wurde ein Rückgang um fast 15% ausgewiesen.

 

In Anbetracht der Abkehr vieler westlicher Länder von Russland als Rohstofflieferanten ist eigentlich eine genau gegenläufige Entwicklung zu erwarten und beim Bergbau Südafrikas sollte es „bergauf“ und nicht „bergab“ gehen. Wiederholte Unterbrechungen bei der Stromversorgung haben jedoch erneut dazu geführt, dass die Förderung von Kohle und auch anderen weltweit sehr begehrten Rohstoffen vorübergehend gestoppt werden musste. Vor dem Hintergrund dieses seit Jahren bestehenden Problems einer unzureichenden Elektrizitätsversorgung hat die Industrie kaum Spielraum für eine Steigerung der Produktion.

 

Deshalb dürfte die südafrikanische Wirtschaft in diesem Jahr letztlich um weniger als 2% wachsen und damit ihrem verhaltenen Wachstumstrend aus der Vor-Corona-Zeit treu bleiben. Auf dem weiteren konjunkturellen Ausblick lasten darüber hinaus der vorhandene Korruptionsdschungel und die jüngsten politischen Entwicklungen. So ist jetzt auch der Staatspräsident Cyril Ramaphosa in Bedrängnis geraten, da er versucht hat, den Raub von mehreren Millionen US-Dollar von seiner Farm zu vertuschen. Gleichzeitig kann er kaum Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung im Land vorweisen, die er seinen Wählern versprochen hatte. Auch die Aufklärung der schweren Betrugsvorwürfe gegen die Vorgängerregierung unter Jacob Zuma schreitet nur im Zeitlupentempo voran. Die Gefahr ist groß, dass es bei der Abarbeitung der strukturellen Hemmnisse Südafrikas bis zum Wahljahr 2024 weiterhin kaum vorangehen wird.

 

-- Dr. Christine Schäfer


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