EZB: Unsicherheit aller Orten

Die Inflationsentwicklung im Euroraum wird bei den geldpolitischen Beratungen der EZB-Ratsvertreter in der kommenden Woche zentrales Thema sein. Angesichts der sich verschärfenden geopolitischen Verspannungen haben die Energiepreise zuletzt nochmals Auftrieb erfahren. Dies dürfte den Währungshütern Kopfzerbrechen bereiten. Von einer Adjustierung des geldpolitischen Kurses ist unseres Erachtens aber bei der Februar-Ratssitzung nicht auszugehen. Die EZB muss den Spagat meistern, die Inflationssorgen zu dämpfen und zugleich Handlungsbereitschaft signalisieren, sollte der Inflationsschub im Jahresverlauf wider Erwarten nicht nachlassen.

Die Omikron-Welle ist da – Belastungsfaktor für die konjunkturelle Entwicklung


Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren prägen derzeit das wirtschaftliche Umfeld. So unter anderem der weitere Fortgang der Corona-Pandemie. In den zurückliegenden Wochen sind die Ansteckungszahlen in den verschiedenen Ländern der Eurozone deutlich in die Höhe geschossen. Mit einer Inzidenz von annähernd 4.000 belegt Frankreich diesbezüglich derzeit die Spitzenposition. Ein Lichtblick ist allerdings, dass die Auslastung der Intensivstationen gegenüber den vorherigen Corona-Wellen weniger drastisch angestiegen ist. Doch auch wenn Omikron weniger bedrohlich für das Gesundheitssystem erscheint, sind die möglichen Auswirkungen auf die Konjunktur nicht zu unterschätzen. Der Blick auf die Entwicklung der Corona-Ansteckungszahlen in anderen Ländern liefert aber durchaus auch Grund für etwas Zuversicht. So scheint das Infektionsgeschehen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten bereits seinen Höhepunkt überschritten zu haben. Mit einem Abebben der Omikron-Welle steigt die Chance für einen konjunkturellen Rebound.

Steigende Energiepreise sorgen für wachsendes Unbehagen bei der EZB


Die Corona-Pandemie ist noch nicht ausgestanden, da braut sich an anderer Stelle bereits neues Ungemach zusammen. Die zunehmenden geopolitischen Verspannungen zwischen Russland und der Ukraine haben den Energiepreisen zuletzt deutlichen Auftrieb gegeben. Perspektivisch gehen wir aber davon aus, dass die Konfliktparteien (Ukraine / Russland) eine diplomatische Lösung finden und der Rohölpreis damit seinen Höhenflug beendet. In Erwartung, dass sich auch die Lieferkettenproblematik allmählich entspannt, rechnen wir im Jahresverlauf mit wieder niedrigeren Teuerungsraten. Da die Geldpolitik gegen Verwerfungen am Energiemarkt und Angebotsengpässe nichts ausrichten kann, sehen wir momentan keinen akuten Handlungsbedarf für die Währungshüter.

Zaghafte Zinserhöhungsfantasien im Euroraum – wir sind skeptisch gestimmt


Fed-Chef Powell hat jüngst in Aussicht gestellt, die Zinszügel in den Vereinigten Staaten im Jahresverlauf deutlich zu straffen. Dies hat auch am europäischen Geldmarkt Spuren hinterlassen. So hat sich die EZB-Zinserhöhungsfantasie zuletzt etwas belebt. Wir sind diesbezüglich eher skeptisch gestimmt. So darf nicht vergessen werden, dass vor dem Hintergrund der EZB „Forward Guidance“ zunächst die Anleihekäufe beendet werden müssten, bevor eine Zinserhöhung erfolgen kann („Sequencing“). Im Zuge der Dezember-Ratssitzung haben die Währungshüter zwar eine Verminderung der APP-Käufe im Jahresverlauf skizziert, doch eine Beendigung der Wertpapierkäufe wurde noch nicht thematisiert.

 

-- Christian Reicherter


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