Ein Blick auf die vier Ebenen der KI-Wertschöpfungskette

Der KI-Boom erzeugt enorme Investitionen entlang einer komplexen Wertschöpfungskette. Die Chancen, Risiken und Erträge verteilen sich auf vier unterschiedliche Ebenen.

 

Das Bild zeigt ein gestapeltes Balkendiagramm, das die Rekordinvestitionen der sogenannten Hyperscaler (große Cloud-Anbieter) von 2020 bis 2028 (teils als Schätzung "e") darstellt. Abgebildet werden die Investitionen in Milliarden US-Dollar von fünf Unternehmen: Amazon (AMZN), Microsoft (MSFT), Google (GOOGL), Meta und Oracle (ORCL). Die Balken wachsen über die Jahre deutlich an, was auf stark steigende Investitionen der Hyperscaler in diesem Zeitraum hinweist.

 

Ebene 1: Die physische Infrastruktur

Am Anfang stehen Hochleistungschips, Netzwerktechnik und die Energieversorgung. Die Umsatzdynamik wird derzeit von den Halbleitern dominiert. In zentralen Segmenten des KI-Chipmarktes übersteigt die Nachfrage das verfügbare Angebot. Diese Knappheit stützt die Preise und sichert den Herstellern hohe Gewinne. Zugleich hängt diese Ebene stark von den Investitionszyklen der großen Technologiekonzerne ab.

 

Ebene 2: Die Cloud-Infrastruktur

Hier bündeln die großen Hyperscaler die Hardware in riesigen Rechenzentren. Sie nutzen die Rechenleistung für eigene Dienste und/oder vermieten sie an Dritte. Für das laufende Jahr planen die fünf größten Anbieter Investitionen von rund 790 Milliarden US-Dollar. Die Basis dafür bilden die robusten Gewinne aus ihrem Kerngeschäft, ein wachsender Teil wird zudem über den Anleihemarkt finanziert. Ob sich diese gigantischen Summen am Ende auszahlen, wird im Markt zwar intensiv diskutiert, bislang können die Anbieter die enorme Nachfrage nach Rechenleistung jedoch kaum bedienen.

 

Ebene 3: Die KI-Modelle

Dieser Markt ist geprägt von intensivem Wettbewerb und extrem schnellen Innovationszyklen. Das Training neuer Modellgenerationen verschlingt enorme Summen. Die Erlöse aus Nutzungsgebühren und Abonnements steigen zwar deutlich, doch der Kapitalbedarf bleibt hoch, da die Anbieter kontinuierlich in noch leistungsfähigere Nachfolgegenerationen investieren müssen.

 

Ebene 4: Die Anwendungen

Softwareanbieter integrieren die Modelle in konkrete Anwendungen. Erst hier entsteht das unmittelbare Produkt für den Endnutzer. Langfristig entscheidet diese Ebene darüber, ob die Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig refinanziert werden können. Noch wird der Ausbau der KI-Infrastruktur in erheblichem Umfang von den Investitionen großer Technologiekonzerne getragen. Dauerhaft tragfähig wird das System jedoch erst, wenn Unternehmen bereit sind, für produktivitätssteigernde Anwendungen zu zahlen.

 

Fazit

Für Anleger bedeutet dies, den KI-Sektor nicht als homogenen Block zu betrachten. Jede Ebene hat ihr eigenes Profil aus Chancen und Risiken. Eine breite Streuung und der Fokus auf nachweisbare Erlöse sind in dieser Marktphase sinnvoll. Ohne Frage bleibt Künstliche Intelligenz eines der zentralen Technologie- und Investitionsthemen unserer Zeit. Für Anleger stellt sich darüber hinaus die Frage, auf welcher Ebene der Wertschöpfungskette die daraus entstehenden Gewinne am Ende anfallen.

 

-- Birgit Henseler