Rheinpegel steigt wieder – Entwarnung für die Wirtschaft gibt es noch nicht

Steigende Pegelstände verbessern die Bedingungen für die Rheinschifffahrt und lassen die zuletzt stark erhöhten Transportkosten zurückgehen. Die wirtschaftlichen Folgen des Niedrigwassers sind damit allerdings noch nicht überwunden.

 

Das Bild zeigt ein Liniendiagramm mit zwei Kurven, das den Zusammenhang zwischen den Frachtkosten für Benzin (in Euro pro Tonne) auf der Strecke Rotterdam-Karlsruhe und dem Pegelstand des Rheins bei Kaub (in Zentimetern) über einen Zeitraum von etwa drei Jahren darstellt. Die Legende weist die orange Linie als 'Pegeland' (Rheinpegel Kaub) und die blaue Linie als 'Frachtkosten' aus. Das Diagramm verdeutlicht, dass steigende Wasserstände (Pegeland) zu sinkenden Frachtkosten führen und umgekehrt, vermutlich weil niedrige Wasserstände die Schifffahrt erschweren und verteuern.

 

Wochenlanges Niedrigwasser hat die Rheinschifffahrt erheblich eingeschränkt: Frachtschiffe konnten weniger Ladung aufnehmen, Transporte verteuerten sich und wichtige Industrie- und Energiestandorte gerieten unter Druck. Besonders deutlich zeigt sich die Lage am Pegel Kaub: Dort sank der Wasserstand Mitte August auf nur 5 Zentimeter. Die jüngsten Regenfälle verbessern die Bedingungen. Aktuell liegt er mit rund 66 Zentimetern zwar wieder höher, liegt aber nach wie vor unter dem für die Schifffahrt entscheidenden Referenzwert von 77cm. Dadurch können Schiffe zwar wieder mehr Güter transportieren, und die zuvor stark gestiegenen Transportkosten gehen zurück. Aber der aktuelle Wasserstand reicht immer noch nicht für uneingeschränkte Lademengen. Die zeitweise Lockerung des Sonntagsfahrverbots hilft zwar, die Engpässe abzufedern. Der Spielraum bleibt jedoch auch hier begrenzt: Für eine schnelle Verlagerung auf die Straße fehlen Fahrzeuge und Fahrer, auf der Schiene sind die Kapazitäten knapp.

 

Wie stark das Niedrigwasser die Wirtschaft insgesamt belastet hat, wird sich erst nach Ende des Sommers verlässlich beziffern lassen. Vergleiche zu früheren Hitze- und Niedrigwasserjahren zeigen jedoch, dass Dauer und Intensität der Trockenphase ausreichen dürften, um die Wirtschaftsleistung merklich zu dämpfen. Die Aussichten für die nächsten 14 Tage sind zwar besser als noch in der vergangenen Woche, für eine Entwarnung ist es aber zu früh.

 

Die steigenden Pegel verschaffen vorerst nur eine Atempause. Mit dem Klimawandel dürfte das Risiko längerer Niedrigwasserphasen zunehmen. Zugleich könnten abschmelzende Gletscher die Wasserführung der Flüsse künftig zusätzlich schwächen. Mit häufigerem Niedrigwasser wird die Abhängigkeit vom Rhein zunehmend zum wirtschaftlichen Risiko. Der Handlungsdruck bleibt daher hoch. Unternehmen brauchen robustere Lieferketten und mehr Ausweichmöglichkeiten über Straße und Schiene. Gleichzeitig muss die Infrastruktur an längere Niedrigwasserphasen angepasst werden. Die steigenden Pegel verschaffen dafür Zeit, lösen das Problem aber nicht.

 

-- Jakob Kleiner