Trumps Spanien-Drohung ist größer als ihr ökonomischer Kern

Trump droht Spanien mit einem Handelsstopp. Für Madrid wäre das schmerzhaft, aber nicht existenzbedrohend. Die größere Gefahr liegt nicht allein im Warenhandel, sondern in einer Eskalation, die Tourismus, Investitionen, Lieferketten – und vor allem die EU – erfassen würde.

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme. 

Links ist ein Balkendiagramm, das den Anteil des Handels mit Waren und Dienstleistungen mit den USA-Spannen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt für Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zeigt. Deutschland hat den höchsten Anteil, Spanien den niedrigsten.

Rechts ist ein horizontales Balkendiagramm, das die Branchen-Konzentration der deutschen Warenwirtschaft nach Anteil in % darstellt. Die wichtigsten Branchen sind Pharma, Metallurgie, Maschinenbau und Chemie, wobei Pharma den größten Anteil hat.

 

Donald Trump will den Handel mit Spanien stoppen lassen. Der Anlass ist politisch: Madrid lehnt höhere NATO-Ausgaben ab. Zum Auslöser wurde offenbar aber auch die Weigerung, den USA im Iran-Krieg Luftraum und Stützpunkte bereitzustellen. Ökonomisch wirkt die Drohung größer, als sie ist.

 

Der Warenhandel zwischen beiden Ländern lag 2025 bei knapp 48 Mrd. Dollar. Auffällig ist: Die USA erzielten gegenüber Spanien kein Defizit, sondern einen Überschuss. Für Spanien sind die USA wichtig, aber nicht dominierend. Der gesamte Handel mit ihnen entspricht rund 4,4% des spanischen BIP, die Warenexporte allein unter zwei Prozent.

 

Ein vollständiger Handelsstopp bleibt unwahrscheinlich. Realistischer sind Produktlisten, Sonderzölle, Embargos gegen einzelne Warengruppen oder administrative Hürden. Entscheidend ist aber: Handelspolitik ist in der EU keine nationale Zuständigkeit. Spanien kann über Zölle, Marktzugang und handelspolitische Gegenmaßnahmen nicht allein entscheiden. Zuständig ist Brüssel.

 

Damit hätte ein amerikanischer Angriff auf Spanien schnell eine europäische Dimension. Washington könnte Madrid politisch herausgreifen und einzelne Waren spanischen Ursprungs ins Visier nehmen. Die Antwort darauf käme aber nicht allein aus Madrid, sondern aus der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten. Aus einem bilateralen Konflikt würde rasch ein Testfall für die europäische Handelspolitik.

 

Gerade deshalb ist Trumps Drohung ökonomisch und politisch riskanter, als die spanischen Handelszahlen vermuten lassen. Die EU verfügt über handelspolitische Gegeninstrumente und könnte einen gezielten Druck auf Spanien als Versuch werten, einen Mitgliedstaat zu politischen Zugeständnissen zu zwingen. Dann ginge es nicht mehr nur um Olivenöl, Pharma oder Maschinen, sondern um die Frage, ob ein Drittstaat einzelne EU-Länder handelspolitisch isolieren kann.

 

Verwundbar wären Pharma, Chemie, Energie, Maschinenbau, elektrische Ausrüstung, Olivenöl, Wein, Keramik und Metallprodukte. Auch der Tourismus zählt. Landesweit sind US-Gäste nicht die größte Besuchergruppe, sie geben jedoch überdurchschnittlich viel aus. Hinzu kommen Risiken für Investitionen und Lieferketten.

 

Makroökonomisch wäre ein selektiver Konflikt für Spanien wohl eine Belastung von wenigen Zehnteln beim Wachstum. Gefährlich würde es, wenn daraus ein breiter Streit über Waren, Dienstleistungen, Reisen und Finanzbeziehungen entstünde. Dann stünde nicht nur Spanien unter Druck. Der Konflikt würde auf die EU übergreifen – und aus einer Drohung gegen Madrid würde ein transatlantischer Grundsatzstreit.

 

- Matthias Schupeta