Ungarischer Forint: Auf der Sonnenseite des Währungslebens
Der ungarische Forint lässt gegenüber dem Euro die Muskeln spielen und kletterte hierbei zeitweise auf den höchsten Stand seit Februar 2022. Neben den marktseitigen Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Kriegs verleiht dem Forint auch der politische Machtwechsel in Ungarn Flügel. Perspektivisch dürfte sich der Forint gegenüber dem Euro weiter in solider Verfassung präsentieren. Auf kurze Sicht bestehen jedoch Rückschlagrisiken.
Der ungarische Forint (HUF) konnte in den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro merklich Boden gutmachen und kletterte hierbei in der Spitze auf den höchsten Stand seit Februar 2022. Rückenwind verleiht ihm zum einen der politische Machtwechsel in Ungarn und die damit marktseitig einhergehenden Hoffnungen auf die Auszahlung der eingefrorenen EU-Gelder. Diese würden der seit längerem strauchelnden ungarischen Wirtschaft positive Impulse verleihen. Als HUF-positiv sind auch das positive reale Leitzinsniveau sowie die allgemeine Erwartung einer weiterhin restriktiv ausgerichteten ungarischen Geldpolitik zu nennen. Von globaler Seite profitiert der risikosensitive Forint zudem von den marktseitigen Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs.
Wenngleich sich der Forint gegenüber dem Euro perspektivisch weiterhin in solider Verfassung präsentieren sollte, so ist die aktuelle Aufwärtsbewegung unserer Ansicht nach doch etwas zu weit gelaufen. Wir sehen mit Verweis auf den bislang äußerst fragilen Waffenstillstand am Persischen Golf auf kurze Sicht gewisse Rückschlagsrisiken für die ungarische Landeswährung. Zudem gilt es zu bedenken, dass die neue ungarische Regierung, die am 9. Mai vereidigt wird, vom Markt viele Vorschusslorbeeren erhalten hat, denen sie nun erst einmal gerecht werden muss. Im Fokus stehen hier neben der Entschärfung des politischen Konflikts mit der EU auch erste Pläne zur Sanierung der öffentlichen Finanzen Ungarns.
Ungeachtet dieser Herausforderungen haben sich die Perspektiven des Forints mit dem politischen Machtwechsel merklich aufgehellt. Dies gilt nicht nur aus konjunktureller Sicht (Stichwort: Freigabe EU-Gelder). Vielmehr ist in diesem Zusammenhang auch die ungarische Geldpolitik zu nennen, die sich nun keinem politischen Druck mehr ausgesetzt sehen sollte. Unserer Einschätzung zufolge dürften die Währungshüter in Budapest aufgrund der zuletzt wieder spürbar zugenommenen Inflationsrisiken weiterhin eine restriktive und damit Forint-stützende Geldpolitik verfolgen. Zudem gehen wir davon aus, dass der ungarischen Landeswährung auch mit Blick auf die globalen Vorgaben die Zeit in die Hände spielen sollte. Neben dem mit einer geopolitischen Entspannung verbundenen freundlicheren Risikosentiment des Marktes dürften die dann auch wieder festeren Euro-Dollar-Notierungen dem Forint zugutekommen.
-- Dr. Sandra Striffler

