Ein unspektakuläres Spektakel – Teslas „Full Self-Driving“ im Selbsttest
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat letzte Woche ihre Untersuchung von Teslas „Full Self-Driving“ (FSD) vertieft und ausgeweitet. Grund dafür sind wachsende Bedenken, dass die Technologie bei schlechten Sichtverhältnissen, wie beispielsweise Nebel oder starker Sonneneinstrahlung versagt. Dies nahmen wir zum Anlass, die FSD-Software einem Praxistest zu unterziehen,…
…dafür haben wir eine Probefahrt im Tesla-Center in Frankfurt am Main vereinbart. Der Anmeldeprozess verlief problemlos, und wir konnten uns vor Ort eine beliebige Strecke aussuchen. Während der 30-minütigen Fahrt saß zur Sicherheit ein Tesla-Mitarbeiter auf dem Fahrersitz unseres Tesla Model 3 Long Range, um bei eventuellen Problemen manuell eingreifen zu können. Als „Frankfurt-Kenner“ hatten wir uns natürlich eine schwierigere Strecke ausgesucht, um das System in der Kürze der Zeit herauszufordern. Es ging zunächst auf die Hanauer Landstraße in Richtung Ratswegkreisel. Der Kreisel mit zwei Ampeln und einer unübersichtlichen Linksabbiegung stellte ein erstes Hindernis dar. Dies wurde aber systemseitig souverän gemeistert. Anschließend fuhren wir an der Eisporthalle vorbei in Richtung Bornheim. Das Viertel war zur Vormittagszeit sehr belebt, es waren auch einige Radfahrer unterwegs und die Straßen waren enger. Auch auf dieser Strecke gab es keine Probleme und die Rückfahrt über den Ostbahnhof auf die Hanauer Landstraße verlief ohne Zwischenfälle.
Unser Fazit: Die FSD-Probefahrt war aus unserer Sicht ein unspektakuläres Spektakel. Unspektakulär, da der Tesla mit FSD-Freischaltung genau das gemacht hat, was er sollte: uns ohne menschliche Eingriffe von A nach B zu bringen. Ein Spektakel war es, da wir uns während der Fahrt sehr sicher fühlten und gar nicht merkten, dass der Tesla nicht von einer menschlichen Person gefahren wurde. Dieses Gefühl wäre wahrscheinlich noch verstärkt worden, wenn keine Sicherheitsperson auf dem Fahrersitz gesessen hätte. Die starke Sonneneinstrahlung, die laut NHTSA zu Einschränkungen der FSD-Software führen könnte, hatte keinen negativen Einfluss auf das Fahrverhalten. Insgesamt waren wir von der Probefahrt positiv überrascht. Während Konkurrenten zusätzlich Radar- oder Lidarsensoren einsetzen, verlässt sich Tesla ausschließlich auf ein Kamerasystem, was im Vergleich deutlich günstiger ist. Für uns bleibt die Frage offen, ob die Fahrt außerhalb der Stadt und bei widrigeren Wetterbedingungen genauso verlaufen wäre.
-- Markus Leistner

