China verschärft den Kampf gegen Omikron

In China steigen die Corona-Fallzahlen aktuell so stark wie seit dem Wuhan-Ausbruch nicht mehr. Einige wichtige Industriezentren sind im Lockdown. Der Konjunktur drohen nach erster Erholung Rückschläge.

 

 

Dass Chinas Null-Covid-Ansatz mit der bedeutend ansteckenderen Corona-Variante Omikron noch häufiger zu punktuellen Lockdowns und entsprechend negativen Rückwirkungen auf Chinas Konjunktur und den globalen Handel führen würde, hat uns schon zu Jahresbeginn besorgt. Das kritische Aufeinandertreffen der beiden potenziellen „superspreader events“ im Februar, die olympischen Winterspiele und die üblicherweise riesige Neujahrsreisewelle, hatte Peking zwar noch überraschend gut im Griff. Inzwischen hat sich die Corona-Lage aber deutlich verschlechtert: Innerhalb kürzester Zeit hat sich die Zahl der Neuinfektionen landesweit vervielfacht und den höchsten Stand seit über zwei Jahren erreicht.

 

Nun ist eine Inzidenz von 0,4 kein Wert, worüber man sich hierzulande Sorgen machen würde – in China jedoch schon. Zum abschreckenden Beispiel dürfte zuletzt vor allem die dramatische Entwicklung in Hongkong geworden sein, wo die Omikron-Welle trotz einer ähnlichen Null-Toleranz-Politik vierstellige Inzidenzen erreicht hat und erschreckend viele Todesopfer fordert. Jetzt wurden gleich in mehreren chinesischen Provinzen Lockdowns verhängt. Nordöstlich von Peking ist die Provinzhauptstadt Changchun von der Außenwelt abgeschottet. In der südchinesischen Technologie- und Exporthochburg Shenzhen gilt bis zum 20. März ein einwöchiger Lockdown. Und in Chinas größter Metropole Shanghai wurden Wohnviertel abgeriegelt und der internationale Flughafen geschlossen – ein vollständiger Lockdown nicht ausgeschlossen. Ökonomische Schäden der Maßnahmen zeigen sich schon jetzt: In Changchun mussten einige Autohersteller die Produktion stoppen, darunter Volkswagen, und in Shenzhen haben dutzende Tech-Firmen, wie der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn, die Fertigung pausiert. Darüber hinaus drohen in Shenzhen und Shanghai zwei der drei größten Containerhäfen Chinas in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

 

Damit steht Chinas Wirtschaft jetzt im Frühjahr vor einem herben Rückschlag, zusätzlich zu den Belastungen durch die geschwächte Weltkonjunktur angesichts der massiven Sanktionen gegen Russland. Zwar hat sich die chinesische Industrie zum Jahresauftakt gerade erst etwas von der Flaute des Vorjahres erholt – zumindest, wenn man den aktuellen offiziellen Produktionszahlen Glauben schenkt, deren überraschende Stärke allerdings einige Zweifel aufkommen lässt. Da China aber wenigstens bis Jahresende an der Null-Covid-Strategie festhalten will – und angesichts schlecht wirkender Impfstoffe wohl auch dazu gezwungen ist –, bleibt das Risiko immer wiederkehrender lokaler Lockdowns erhalten und damit auch der Gegenwind für die konjunkturelle Erholung des Landes. Für die Weltwirtschaft und die immer noch gestressten globalen Lieferketten sind das Warnzeichen.


-- Monika Boven


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