Brexit

November-Lockdown drosselt die britische Wirtschaft erneut

Seit dem 6. Januar herrscht in Großbritannien wieder ein strenger Lockdown. Die Verbreitung einer hochansteckenden Mutation des Corona-Virus hatte die Zahl der Neuinfektionen über Weihnachten und Neujahr erschreckend schnell in die Höhe schießen lassen. Damit befindet sich das Land inmitten der dritten Infektionswelle, nachdem es gerade erst die zweite Welle vom Herbst mehr schlecht als recht unter Kontrolle gebracht hatte. Für den gesamten November hatte Premierminister Boris Johnson dem öffentlichen Leben einen weitgehenden Stillstand verordnet – nicht-essentielle Geschäfte, Freizeiteinrichtungen sowie Pubs und Restaurants mussten schließen, Arbeitnehmer waren aufgerufen, von zu Hause zu arbeiten. Welche Auswirkungen die Maßnahmen auf die britische Wirtschaft hatten, zeigen die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt sank im November um gut 2 ½ Prozent gegenüber dem Vormonat Oktober – verglichen mit dem Frühjahr ein relativ glimpfliches Ergebnis. Hart getroffen hat es allerdings erneut die Gastronomie, deren Output sich im Monatsvergleich fast halbierte. Der Groß- und Einzelhandel…

Brexit: It ain’t over till it’s over

Die von Premierminister Johnson gesetzte Deadline am 15. Oktober ist verstrichen. Anstatt jedoch die Gespräche wie angekündigt abzubrechen, wird die Regierung Johnsons in den kommenden Wochen wohl weiter am Verhandlungstisch mit Brüssel sitzen. Erneut setzt sich damit die Erkenntnis der vergangenen Jahre fest, dass es auch dann noch lange nicht vorbei ist, wenn die Lage völlig aussichtslos erscheint. Schon mehrfach standen die Beteiligten kurz vor einem harten Bruch. Und dennoch ist es bislang gelungen, die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens weitgehend ohne Verwerfungen zu beenden, eine Übergangsphase auszuhandeln und über die Ausgestaltung eines anschließenden Freihandelsabkommens zu sprechen – ein Umstand, den die am Prozess beteiligten Unterhändler und politischen Vertreter als Erfolg werten können. Dass der Weg bis hierhin nicht immer gradlinig verlief oder von rational-ökonomischen Aspekten dominiert war, kann dabei nicht überraschen. Es geht schließlich nicht nur darum, einen Kompromiss zu finden. Vielmehr muss dieser auch so vermarktet werden, dass die eigene Bevölkerung…

Brexit-Gespräche: Gute Stimmung, wenig Substanz

Die Brexit Gespräche stecken weiterhin fest, wenn auch die Atmosphäre etwas besser wurde. Beide Chefunterhändler haben eine „neue Dynamik“ konstatiert, die insbesondere auf die Äußerungen von Premierministerin Theresa May im Rahmen ihrer Grundsatzrede vergangene Woche in Florenz zurückzuführen sei. Der Brite Davis sprach mit Blick auf die vergangenen Tage gar von „entscheidenden Schritten“ und „beträchtlichem Fortschritt“. Sein Gegenüber Michel Barnier wollte sich dieser (beinahe euphorischen) Einschätzung nicht anschließen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass größere Differenzen bestehen bleiben. Von ausreichenden Fortschritten in den Fragen des Loslösungsprozesses seien die Verhandlungspartner immer noch weit entfernt. Die Bewertung der Fortschritte in den Fragen des Loslösungsprozess ist entscheidend für den weiteren Pfad der Verhandlungen. Die britische Seite drängt darauf, die mögliche Ausgestaltung der künftigen Partnerschaft und der Handelsbeziehungen wie ursprünglich geplant Ende Oktober auf die Agenda der Gespräche zu nehmen. Die Voraussetzung, die von Brüsseler Seite für diese zweite Phase festgelegt wurde, ist die…

Allmählich nehmen die Brexit-Belastungen für die Briten zu

Die Inflation in Großbritannien hat erneut Kurs auf die 3-Prozent-Marke genommen und dürfte in den kommenden Monaten sogar darüber liegen. Während der Preisdruck in anderen Industrieländern gerade wieder nachlässt, treibt das durch die Brexit-Unsicherheit geschwächte Pfund die britischen Verbraucherpreise kräftig in die Höhe. Leidtragende sind die Konsumenten, die ihre Anschaffungen inzwischen deutlich einschränken – der private Konsum, eine der tragenden Säulen der Konjunktur im Vereinigten Königreich, ist im zweiten Quartal fast zum Stillstand gekommen und hat das Wirtschaftswachstum deutlich ausgebremst. Auch auf die Zuwanderung wirkt das schwache Pfund sowie die Unsicherheit rund um den bevorstehenden EU-Austritt dämpfend. Damit steuert die britische Wirtschaft auf nicht unerhebliche Beschäftigungsengpässe zu. Großbritannien bekommt die Bremswirkungen durch den Brexit mehr und mehr zu spüren – und sie dürften in den kommenden Monaten weiter zunehmen. Die britischen Konsumenten müssen zurzeit wieder tiefer in die Tasche greifen: die Verbraucherpreise lagen im August um 2,9 Prozent über dem…

Britische Wirtschaft mit ersten Brexit-Kratzern

Die britische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gestiegen, das Wirtschaftswachstum bleibt in der ersten Jahreshälfte also relativ verhalten. Vor allem die durch die Pfund-Abwertung stark gestiegene Inflation ist zur Belastung geworden. Der Brexit-Effekt kommt somit erst einmal „durch die Hintertür“. Eine Wachstumsbeschleunigung im zweiten Halbjahr ist nicht absehbar, das Wachstumstempo dürfte vielmehr bis Ende kommenden Jahres weiter sukzessive nachlassen. Wir senken unsere Prognose für dieses Jahr leicht von 1,8 auf 1,6 Prozent. Im kommenden Jahr rechnen wir unverändert mit einem relativ schwachen Wachstum von 0,8 Prozent. Nach dem vergleichsweise schwachen Jahresauftakt ist die Konjunktur in Großbritannien auch im zweiten Quartal dieses Jahres verhalten geblieben – das vierteljährliche Wirtschaftswachstum legte nur leicht von 0,2 auf 0,3 Prozent zu. Die konsumnahen Dienstleistungen, wie der Einzelhandel, konnten nach dem Einbruch im ersten Quartal nun zwar eine Erholung verbuchen. Insgesamt bleibt die Konsumlaune der Briten aber getrübt, was vor allem an…

Britisches Wirtschaftswachstum verliert in Q1 an Dynamik, der Brexit spielt hierbei aber noch keine Rolle

Die britische Wirtschaft hat im ersten Quartal dieses Jahres sichtlich an Tempo verloren. Das vierteljährliche Wirtschaftswachstum ist auf 0,3 Prozent gesunken. Im Schlussquartal 2016 wurde noch ein deutlich höheres Wachstum von 0,7 Prozent erreicht. In dieser Abschwächung könnte eine konjunkturelle Reaktion auf den soeben angestoßenen Brexit-Prozess zu sehen sein. Wir halten dies aber höchstens für bedingt plausibel. Die Entwicklung der einzelnen Wirtschaftssektoren zeigt recht solide Wachstumsbeiträge aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie der Bau- und der Ölindustrie. Alle Bereiche haben das BIP-Wachstum gestützt – ein Bild, das in der Vergangenheit bei diesen sehr volatilen Branchen und der chronisch schwachen Entwicklung der britischen Industrie eher selten zu sehen war und deshalb positiv ist. Auffällig ist jedoch das relativ schwache Wachstum im Dienstleistungsbereich mit lediglich 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies ist der niedrigste Zuwachs seit zwei Jahren. Mit seinem sehr hohen Anteil von fast 80 Prozent ist der Service-Sektor das Rückgrat der…

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