Sonderumfrage: Mittelstand ändert Investitionsverhalten

Angesichts der unsicheren Zeiten haben viele Mittelständler ihr Investitionsverhalten angepasst. Investitionen in kurz- bis mittelfristiges Wachstum traten in den Hintergrund, die langfristige Sicherung des Unternehmens rückte in den Mittelpunkt.

 

 

Die Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen, und zwar bei weitem nicht nur im deutschen Mittelstand. Zudem ist ein kurz- bis mittelfristiges Ende bei der hohen Kostenbelastung, den Materialengpässen und insbesondere bei der Sorge vor einer Gasknappheit vorerst nicht abzusehen. Vor allem den bei der Gasversorgung nicht gesetzlich geschützten Industrieunternehmen dürfte der bevorstehende Winter Sorgen bereiten.

 

Angesichts dieser Herausforderungen ist es kein Wunder, dass die Mittelständler derzeit ihre Investitionstätigkeit überdenken und neue Schwerpunkte setzen. Bisherige Maßnahmen der stark inlandsorientierten mittelständischen Unternehmen in Richtung Auslandstätigkeit wie etwa die Erschließung neuer Märkte verloren zuletzt an Bedeutung.

 

Dagegen stieg die Investitionsbereitschaft für Maßnahmen in den Bereichen Digitalisierung und Prozessautomatisierung noch einmal deutlich gegenüber bisherigen Befragungen. Ausbauen wollen die Mittelständler nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs aber auch ihre Bestrebungen in Richtung Effizienzüberarbeitung, also etwa das Angehen von Kostenstrukturen, und Umweltmanagement/Nachhaltigkeit. Neben der zunehmenden Bedeutung dieses Themas bei Kunden und Lieferanten dürfte auch die stark gestiegene Kostenbelastung für Treibstoff, Strom, Gas und Öl hierfür einen beträchtlichen Anreiz geliefert haben. Investitionen in Energiesparmaßnahmen, die vor einiger Zeit vielleicht noch nicht rentabel erschienen, könnten angesichts der hohen Kosten mittlerweile effizient sein.

 

Die Investitionsbereitschaft der Mittelständler in Forschung und Entwicklung sowie in ein Innovationsmanagement spielt angesichts der hohen Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung derzeit kaum eine Rolle. Von den von uns im Rahmen dieser Sonderbefragung zur Auswahl gestellten Investitionsoptionen bildete diese das Schlusslicht, wie bereits im Herbst 2021 und im Herbst 2020, also mitten in zwei Corona-Wellen.

 

Die Investitionsbereitschaft der Mittelständler in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter hat sich demgegenüber in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr als verdreifacht. Altersstrukturwandel und die sich damit immer weiter verschärfende Problematik des Fachkräftemangels rückten durch Pandemie-Entwicklung und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs wieder stärker ins Interesse der mittelständischen Unternehmen.

 

Mehr Informationen finden Sie in der Studie „Sonderumfrage: Mittelstand passt Investitionsverhalten Pandemie und Krieg an".

-- Dr. Claus Niegsch


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