Unternehmensanleihen vor allem indirekt von möglichem Militärschlag in der Ukraine betroffen

Mit dem massiven Truppenaufgebot der russischen Streitkräfte, der konkreten Warnung durch die US-Regierung vor einer am Mittwoch bevorstehenden russischen Invasion gibt es derzeit umfassende Warnsignale für eine erhöhte Kriegsgefahr in der Ukraine. Dem stehen auf der anderen Seite aber auch hoffnungsgebende Anzeichen gegenüber, wie die Tatsachen, dass im gestrigen Treffen zwischen Putin und seinem Außenminister Lawrow explizit betont wurde, dass es immer auch Spielraum für eine diplomatische Lösung gäbe. Dafür spricht zudem die Tatsache, dass Russland in der Vergangenheit bei Militärschlägen stets auf das Überraschungsmoment gesetzt hatte, was hier nicht gegeben ist. Vielmehr zeichnen sich sogar die ersten russischen Truppenabzüge ab und Kiews Außenminister sieht darin bereits eine erste Deeskalation.


Spekulationen gibt es also reichlich, aber kein Außenstehender kann mit Sicherheit den Ausgang des Konflikts vorhersagen. Nachdem die Kriegsangst zu Wochenbeginn die Märkte fest im Griff hatte, lohnt sich aber ein differenzierter Blick auf Marktsegmente und Unternehmen. Grundsätzlich lässt sich für die Unternehmen unserer Coverage festhalten, dass kein Unternehmen ein übermäßiges Russland- oder Ukraine-Exposure aufweist. Problematisch ist, dass die Unternehmen in ihren Segmentberichterstattungen häufig ein Engagement in Russland nicht explizit, sondern in Sammelpositionen ausweisen. Aber auch diese übersteigen in der Regel nicht die 10%-Marke. Branchenseitig sind vor allem die Automobil-, Handels-, Tabak- und die Versorgerbranche (teils umfangreicher Gasbezug) betroffen.


Die größten Risiken für Unternehmen in diesem Zusammenhang bestehen in weiter kräftig steigenden Energiepreisen und den vom Westen angekündigten harten Sanktionen im Fall einer militärischen Zuspitzung. Russland ist einer der weltweit bedeutendsten Gas- und Rohölexporteure. Besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Baustoffe-, Papier-, Stahl- und Zementhersteller wären davon betroffen. Die geopolitische Eskalation dürfte zudem die ohnehin schon hohen Inflationsängste der Industrieländer verstärken. Zudem dürften Sanktionen für Exporte nach Russland für Belastungen sorgen. Nebenbei sind Russland und die Ukraine auch noch wichtige Getreidelieferanten. Insgesamt lässt sich festhalten, dass zwar politische Börsen generell nicht von langer Dauer sind, im Kontext von steigender Inflation dürften die geopolitischen Auswirkungen aber nachhaltiger Natur sein und die Erholung im Anschluss an die Pandemie beeinträchtigen - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Anleihespreads insbesondere bei High-Beta-Werten, die stärker als der Gesamtmarkt auf Impulse reagieren.

-- Christian Albrecht


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