Deutscher Wohnungsmarkt 2022: Nach rekordverdächtigem Preisplus bremsen nun höhere Zinsen

Seit Jahren treibt die hohe Immobiliennachfrage die Preise nach oben. Das Preisplus des vergangenen Jahres stellt die bisherige Entwicklung aber in den Schatten. In der zweiten Jahreshälfte 2021 zogen die Preise um mehr als 12% gegenüber dem Vorjahr an. Im Jahresdurchschnitt verteuerte sich Wohneigentum nach dem gerade veröffentlichten Index des Verbands deutscher Pfandbriefbanken um 11,3%. Der Preisanstieg der fünf Vorjahre fiel mit 5,8% bis 7,4% sichtbar schwächer aus.

Für den enormen Preisschub sind mehrere Ursachen verantwortlich. Der verbreitete Wunsch nach einem geräumigen Eigenheim ist durch Homeoffice und steigende Wohnungsmieten noch größer geworden. Dazu kamen die extrem niedrigen Zinsen und die Erholung am Arbeitsmarkt. Zudem ist das Immobilienangebot knapp, angesichts der anhaltend hohen Nachfrage nach Häusern und Wohnungen stehen kaum noch Bestandsimmobilien zum Verkauf. Der Neubau hat zwar Fahrt aufgenommen, reicht aber – das belegt der zweistellige Preisanstieg – nicht aus.

Doch auch der Gegenwind am Häusermarkt wird stärker. Bislang mussten viele Kaufinteressenten scharf rechnen, um das notwendige Eigenkapital aufzubringen. Ab jetzt werden sie sich auch stärker mit der Höhe der Kreditrate beschäftigen müssen. Die Zinskurve für Immobilienkredite mit 10-jähriger Laufzeit (Interhyp) hat ihr Tief von rund 0,8% hinter sich gelassen. Ende 2021 wurden 1% erreicht, Anfang Februar lagen knapp über 1,2% an. Das ist immer noch niedrig, doch verteuert schon ein 1%-Punkt höherer Nominalzins die Kreditrate merklich. Das wird am Beispiel eines Reihenhauses deutlich, das im Durchschnitt der deutschen Städte schon etwas mehr als eine halbe Million Euro kostet: Die Zinsbelastung steigt um 5.000 Euro im Jahr oder 420 Euro im Monat. Dass die privaten Haushalte inzwischen deutlich mehr für Benzin, Gas und Strom ausgeben müssen, erschwert die Finanzierung zusätzlich.

Der Zenit des Preisanstiegs ist wohl vorüber. Einbrechen wird die Immobiliennachfrage aber ebenso wenig wie deren Preise. Die Wertschätzung für ein schönes Eigenheim wird nicht nachlassen. Außerdem haben sich Mietwohnungen als Alternative ebenfalls kräftig verteuert. Bleibt es bei einem moderaten Zinsanstieg, können die Kaufinteressenten die Tilgung reduzieren, beim Konsum sparen, sich auf kleinere Immobilien fokussieren oder den Suchradius vergrößern.

-- Thorsten Lange 

 

    


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