US-Notenbank drückt aufs Tempo

Die US-Notenbank hat gestern das Tempo in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik beschleunigt und eine schnellere Reduktion der Wertpapierkäufe angekündigt. Die Wertpapierkäufe werden nun mit 30 Mrd. US-Dollar pro Monat gedrosselt, anstatt wie bisher mit 15 Mrd. US-Dollar. Damit werden die Krisenhilfen der US-Notenbank im März 2022 enden. Dann wäre der Weg frei für eine erste Leitzinserhöhung. Die Notenbanker rechnen im Median mit drei Zinsschritten und demnach einer deutlich strafferen Geldpolitik. Bis Ende 2024 sollen die Leitzinsen bis auf 2,125% steigen. In der Presseerklärung wurde die Formulierung, dass die Inflation vorübergehend hoch sei, gestrichen. Der Markt hat diese doch recht aggressiven, geldpolitischen Ankündigungen zwar zunächst mit höheren kurzfristigen Renditen und einem stärkeren Dollar quittiert. Lange gehalten hat die Bewegung jedoch nicht. Die insgesamt schon sehr flache Renditestrukturkurve signalisiert jedoch, dass die antizipierte geldpolitische Straffung in absehbarer Zeit zu einer schwachen Konjunktur führen könnte.

Leitzinsniveau steigt schneller, auf lange Sicht aber nicht höher

Die Währungshüter prognostizieren jetzt schnellere Leitzinserhöhungen als noch im September. Das für Ende 2024 erwartete Leitzinsniveau hat sich jedoch kaum verändert. Es liegt nur 25 Basispunkte höher als bei den vorherigen Projektionen. Um die Inflation besser einfangen zu können, scheinen die Notenbanker nun lieber früher handeln zu wollen. Somit hofft die Fed, später nicht länger und aggressiver auf der Bremse stehen zu müssen. Auch wenn die FOMC-Mitglieder laut Powell nicht über Leitzinserhöhungen diskutiert haben, gab sich der oberste Währungshüter weniger dovish hinsichtlich der Zinswende als bei der letzten Fed-Sitzung. So gab er zu Protokoll, dass die US-Wirtschaft derzeit deutlich stärker wachse als beim letzten Lift-off im Jahr 2015. Außerdem seien die Inflationsraten hoch, und am Arbeitsmarkt gebe es rasche Fortschritte in Richtung Vollbeschäftigung. Die Fed wird mit der Zinswende nicht so lange warten wie nach dem letzten Tapering-Prozess im Jahr 2014.

Die Wahrscheinlichkeit für schnelle und kräftige Leitzinserhöhungen durch die Fed im kommenden Jahr ist deutlich gestiegen. Unseres Erachtens dürften die Inflationsraten in den kommenden Monaten jedoch deutlich sinken. Deswegen rechnen wir trotz des Sitzungsergebnisses derzeit mit einer weniger drastischen Marschrichtung der US-Notenbank. Zudem sehen wir weiterhin wirtschaftliche Risiken aufgrund der Corona-Pandemie, da die Impfquote in den Vereinigten Staaten recht niedrig ist. Sollte jedoch die Inflationsrate weniger signifikant sinken als derzeit von uns angenommen, müssten wir unsere Prognose für den Fed-Funds-Korridor zweifelsohne überarbeiten.

 

Birgit Henseler


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